9 Nov 2022 Autowissen
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Scheinwerfer-Einstellung nicht vergessen!

Im Dunkeln morgens zur Arbeit fahren und nach Feierabend bereits durch die Nacht fahren müssen – kommt Dir das bekannt vor? Umso wichtiger ist es, dass die Scheinwerfer-Einstellung stimmt! Aber nicht nur in der dunklen Jahreszeit solltest Du die Scheinwerfer richtig einstellen lassen. Warum? Das erfährst Du in diesem Beitrag – samt Profi-Tipps, versteht sich. Bist Du bereit? Let’s go!

Mit einer falschen Scheinwerfer-Einstellung ist nicht zu spaßen!

Kostenlose Licht-Tests, Lichter-Wochen – nicht ohne Grund werben viele Werkstätten ab Oktober mit attraktiven Angeboten, um unter anderem Deine Auto-Lichter zu kontrollieren. Denn eine falsche Scheinwerfer-Einstellung ist nicht nur störend, sondern stellt obendrein eine Gefährdung des Straßenverkehrs dar. Du glaubst es nicht? Na dann lass uns mal kurz in die Gesetzgebung schauen!

Scheinwerfer-Einstellung & HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie

Du hast es richtig gelesen: Es gibt tatsächlich eine sogenannte HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie, die eindeutig festlegt, wie Du die Scheinwerfer einstellen (lassen) solltest:

  • Die „Richtlinie für die Überprüfung der Einstellung der Scheinwerfer von Kraftfahrzeigen bei der Hauptuntersuchung nach §29 StVZO“ (LA 20/77345.2/80.4) wurde im Februar 2014 durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr erlassen.
  • Inzwischen wurde die Prüfrichtlinie ergänzt und durch die neuere Fassung StV 22/7345.2/80-4 ersetzt, die im Verkehrsblatt (Amtlicher Teil / Heft 23 – 2018; Nr. 174) bekanntgegeben und am 01.01.2019 rechtskräftig wurde.
    • Das Dokument enthält alles, was Du in Sachen richtige Scheinwerfer-Einstellung wissen solltest.
Ein Kfz-Mechaniker verwendet gerade ein rotes Scheinwereinstellgerät, um das Licht des eingeschalteten Frontscheinwerfers zu testen.
Mit einem Scheinwerfereinstellgerät kann der Profi bei Bedarf die Scheinwerfer einstellen.

Ignorierst Du diese Prüfrichtlinie, heißt es allerspätestens bei der nächsten Hauptuntersuchung: Bye, Bye, TÜV-Plakette! Und ohne TÜV fahren ist bekanntlich keine Option – das brauchen wir Dir nicht zu sagen. Und was steht denn in der erwähnten Richtlinie? Das verraten wir Dir sofort!

HU-Scheinwerfer-Prüfrichtlinie: Das Wichtigste auf einen Blick

Keine Sorge, wir ersparen Dir die Details und bringen es direkt auf den Punkt. Zuallererst möchten wir Dir die Daseinsberechtigung dieser Scheinwerfer-Einstellungs-Richtlinie verraten:

„Durch die richtige Einstellung der Abblend-, Fern- und Nebelscheinwerfer von Kraftfahrzeugen soll eine möglichst gute Fahrbahnausleuchtung bei möglichst geringer Blendung anderer Verkehrsteilnehmer erreicht werden. Um dies zu erreichen, müssen die vertikale und die horizontale Ausrichtung der Scheinwerferlichtbündel die in dieser Richtlinie festgelegten Bedingungen erfüllen.“

(StV 22/7345.2/80-4, S. 1)

Du siehst es: Die Vorgaben dienen einem guten Zweck und sollen hauptsächlich Gefahrensituationen und Autounfälle vermeiden. Sie betreffen nicht nur Abblendlicht und Fernlicht, sondern auch die Nebelschlussleuchte. Dabei ist die Prüfrichtlinie in 2 Teile aufgegliedert. In unserem Fall ist insbesondere der Teil zur Überprüfung der richtigen Scheinwerfer-Einstellung interessant:

  • Ob symmetrisches bzw. asymmetrisches Abblendlicht, Lichtbündel bzw. Lichtbündelmitte, Niveauregulierung, Prüffläche, Aufstellfläche oder Ähnliches – alle Begriffe, die ein Autoteile-Profi für die Scheinwerfer-Einstellung beherrschen sollte, werden eingangs definiert.
  • Anschließend wird detailliert beschrieben, welche Vorkehrungen getroffen werden sollten, und wie Du die Scheinwerfer einstellen solltest.

Im Folgenden orientieren wir uns an der Prüfrichtlinie, um Dir zu erklären, wie die richtige Vorgehensweise bei einer Licht-Einstellung aussehen sollte. Kleiner Spoiler: Im Anschluss gibt es noch die Prüfrichtlinie als PDF-Datei zum Download!

Ein Kfz-Mechaniker hockt neben dem linken Frontscheinwerfer eines schwarzen Autos und nimmt gerade die Scheinwerfer-Einstellung vor. Er verwendet hierfür einen spezifischen Schraubenzieher und schaut konzentriert auf das Display des Scheinwerfereinstellgeräts.
Die Scheinwerfer-Einstellung erfordert besonderes technisches Know-how und Präzisionsdenken.

Scheinwerfer einstellen: So wird’s gemacht

Vorweggenommen: Die Scheinwerfer-Einstellung ist Profi-Sache und insbesondere bei Xenon- oder LED-Scheinwerfern nicht selbst zu bewerkstelligen. Scheinwerfereinstellgeräte sind außerdem sehr kostspielig – eine private Anschaffung lohnt sich daher kaum. Dennoch verraten wir Dir, wie der Ablauf in der Werkstatt zu erfolgen hat. Los geht’s!

Scheinwerfer-Einstellung vorbereiten

Wenn Du überprüfen möchtest, ob Deine Scheinwerfer die Straße richtig ausleuchten, solltest Du sicherstellen, dass die Prüfbedingungen stimmen. Und das bedeutet:

  • Der Beladungszustand muss stimmen.
    • Genauer gesagt, solltest Du dafür sorgen, dass der Kofferraum leer ist.
    • Ein Gewicht von 75 Kg sollte auf dem Beifahrersitz vorhanden bzw. simuliert sein.
  • Auch den Reifendruck solltest Du im Vorfeld unbedingt checken.
  • Die Scheinwerfer müssen sauber sein – klaro.
  • Schließlich darf die Federung nicht vergessen werden – sie sollte vor der Scheinwerfer-Einstellung in das „betriebsübliche Niveau“ gebracht werden.
  • Dein Pkw kommt mit automatischer Leuchtweitenregulierung daher? Dann sollte diese vorab einer Funktionsprüfung unterzogen werden!
  • Das Gleiche gilt für Fahrzeuge mit manueller Leuchtweitenregulierung, wobei das Vorgehen je nach Automodell gegensätzlich ist:
    • So wird entweder die höchste oder die niedrigste Stellung des Lichtbündels die richtige Ausgangsposition für die anstehende Überprüfung sein.
    • Dabei gilt: Sinkt das Lichtbündel bei stärkerer Beladung, ist die niedrigste Stellung angebracht – und umgekehrt.
  • Last but not least: Ohne geeignetes Prüfgerät ist eine Überprüfung der Scheinwerfer-Einstellung nicht zulässig – so die Prüfrichtlinie (Punkt 3.3).
    • Welche Prüfsysteme in Frage kommen – auch das erfährst Du in der Prüfrichtlinie (unter Punkt 4.):
      • SEP (Scheinwerfer-Einstell-Prüfgerät)
      • Prüffläche (z. B. Wand) mit richtigen Einstellmaßen
Die Scheinwerfer-Überprüfung kann starten! Der Profi hält das Scheinwerfereinstellgerät bereit.
Die Scheinwerfer-Einstellung darf nur mit geeigneter Prüffläche oder mit zertifiziertem Scheinwerfereinstellgerät erfolgen.
Profi-Tipp von Meister Brian: Bei Halogen-Leuchten kannst Du tatsächlich mittels einer Prüffläche die Scheinwerfer einstellen. Allerdings muss die Wand-Entfernung unbedingt stimmen. In der Regel sind hier 10 Meter vorgeschrieben. Jede Abweichung davon zieht eine entsprechende Berechnung aller anderen Prüfeinstellungen nach sich. Dabei muss die Scheinwerfer-Einstellung immer einzeln erfolgen. Mehr dazu erfährst Du unter 4.2 der Prüfrichtlinie (siehe unten).
Auch gut zu wissen: Einstellmaße, Toleranzen und alle anderen Vorgaben, die Du für die Einstellung Deiner Scheinwerfer berücksichtigen solltest, sind in der Richtlinie aufgeführt – in der Anlage 2. Hier sind die verschiedenen Fälle abgedeckt – von Nebelschlussleuchte über symmetrisches bzw. asymmetrisches Abblendlicht-Einstellung bis hin zu Scheinwerfern „mit gemeinsamer Einstellbarkeit“ für Abblendlicht, Fernlicht und Nebelschlussleuchte. Selbst adaptive Frontbeleuchtungssysteme (zum Beispiel Matrix-LEDs) kommen nicht zu kurz (vgl. 4.4).

Du möchtest alles in Ruhe nachlesen? Wir haben die Prüfrichtlinie als PDF für Dich!

Wie Du siehst: Du solltest nicht selbst die Scheinwerfer einstellen, sondern hierfür in die Werkstatt fahren. Und was soll der Spaß kosten? Auch diese Info wollen wir Dir nicht vorenthalten!

Scheinwerfer-Einstellung – Kosten

Die gute Nachricht ist: Die Scheinwerfer-Einstellung kostet nicht nur wenig, sie ist sogar häufig kostenlos! Gerade im Herbst werden vielerorts im bzw. ab Oktober Lichttests umsonst angeboten. Einige Werkstätten bieten an, für wenig Geld die Scheinwerfer zu überprüfen und bei Bedarf neu einzustellen – im Rahmen der Auto-Inspektion oder eines Winterchecks. Und wie teuer ist eine solche Scheinwerfer-Einstellung? Das hängt davon ab, ob Du mit XENON, LED oder Halogen-Leuchtmitteln die Straßen unsicher machst:

  • Halogen-Scheinwerfer einzustellen, ist einfacher und kostet zwischen circa 10–20 € – je nach Werkstatt und Stundensatz.
  • Bei Xenon oder LED ist die Scheinwerfer-Einstellung selten kostenlos – dabei liegen die Preise im Durchschnitt zwischen 15 € und 40 €.

Du siehst es: Teuer ist das Ganze nicht. Da richtig eingestellte Scheinwerfer sicherheitsrelevant sind, ist eine solche Überprüfung in regelmäßigen Abständen extrem wichtig. Insbesondere, wenn Du gute Gründe hast zu denken, dass etwas mit Deinen Auto-Lichtern nicht stimmt! Daher verraten wir Dir noch, wann Du unbedingt die Scheinwerfer überprüfen lassen solltest.

Ein Kfz-Mechaniker ist gebückt über die geöffnete Motorhaube und schraubt minutiös an den Schrauben für die richtige Scheinwerfer-Einstellung
Je höher der Arbeitsaufwand, desto höher die Kosten für die Scheinwerfer-Einstellung.

Scheinwerfer-Einstellung fällig? 4 typische Situationen

Es gibt 4 typische Situationen, in denen Du aktiv werden solltest:

  1. Du erhältst Lichthupen-Warnsignale vom Gegenverkehr oder Dein Vordermann versucht, Dich durch Warnblinklicht-Einsatz wachzurütteln.
    • Hast Du nicht aus Versehen das Fernlicht eingeschaltet und findest keine andere Erklärung für die an Dich gesendeten Warnsignale, solltest Du unbedingt die Scheinwerfer überprüfen lassen.
    • Denn ob Vordermann oder Gegenverkehr: Stimmt etwas mit der Höhe bzw. der Breite des Lichtkegels nicht, störst Du die anderen Verkehrsteilnehmer und riskierst schwere Autounfälle durch Blenden & Co.
  2. Das Abblendlicht ist an und dennoch siehst Du die Straße extrem schlecht.
    • Im besten Fall musst Du nur eine Glühbirne wechseln – ob H4 oder H7.
    • Es kann aber durchaus sein, dass die schlechte Sicht durch eine falsche Scheinwerfer-Einstellung verursacht wird.
  3. Wenn Du den nächsten Roadtrip planst, hierfür Fahrradträger montieren möchtest und jede Ecke des Kofferraums mit Gepäck befüllen möchtest, solltest Du vorab die Scheinwerfer neu einstellen lassen.
    • Bei extremer Beladung ändert sich nämlich der Lichtkegel erheblich – daher muss eine neue Scheinwerfer-Einstellung her, und zwar auch, wenn kein LWR-Defekt vorliegt.
    • Das gilt übrigens auch, wenn Du eine Anhängerkupplung nachgerüstet hast und demnächst häufiger mit Anhänger bzw. Wohnmobil unterwegs sein wirst.
  4. Last but not least: Haben Autoreparaturen an den Scheinwerfern stattgefunden, ist eine Einstellung notwendig.

So, nun weißt Du alles, was Du in puncto Scheinwerfer-Einstellung wissen solltest. Jetzt sind wir aber neugierig: Hast Du schon mal Gefahrensituationen erlebt, in denen falsch eingestelltes Licht im Spiel war? Oder wurdest Du vielleicht selbst darauf aufmerksam gemacht, dass etwas mit Deiner Scheinwerfer-Einstellung nicht stimmte? Wir sind sehr gespannt auf Deinen Kommentar!

Chris von ATP

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