25 Feb 2022 Autowissen
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Stoßdämpfer defekt: Symptome & Folgen

Auswaschungen am Reifen, ein schwammiges Fahrgefühl in der Kurve oder polternde Geräusche beim Fahren: Ein Stoßdämpfer-Defekt im fortgeschrittenen Stadium kann sehr gefährlich werden. Das Problem ist, dass verschlissene Schwingungsdämpfer erst spät klare Signale senden. Umso wichtiger ist es, dass Du diese sicherheitsrelevanten Bauteile regelmäßig prüfst bzw. prüfen lässt. Doch woran erkennt man defekte Stoßdämpfer? Und wie gefährlich sind kaputte Schwingungsdämpfer? Alle Infos – inklusive Profi-Tipps – gibt’s hier!

Stoßdämpfer defekt: Ursachen

Hinter einem Stoßdämpfer-Defekt muss nicht unbedingt ein Autounfall stecken. Denn auch Schwingungsdämpfer sind Verschleißteile – mit begrenzter Lebensdauer. Stoßdämpfer halten somit nicht bis in die Ewigkeit und werden früher oder später den Geist aufgeben.

Wie lange halten Stoßdämpfer?

Im Durchschnitt erreichen Schwingungsdämpfer ihr Lebensende nach einer Fahrleistung von circa 80.000 Kilometern. Autoteile-Profis empfehlen, schon ab einer Fahrleistung von 60.000 Kilometern regelmäßig die Stoßdämpfer zu überprüfen – sicher ist sicher. Allerdings hängt die Lebensdauer Deiner Stoßdämpfer auch stark von Deinem Fahrverhalten ab:

  • Wenn Du umsichtig fährst, kannst Du die Verschleißgrenze nach hinten schieben.
  • Erwischst Du hingegen häufiger Schlaglöcher, Bodenschwellen oder hohe Bordsteinkanten mit voller Geschwindigkeit, wirst Du Dich mit einem vorzeitigen Stoßdämpfer-Wechsel anfreunden müssen.

Logisch, oder?

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Vorsicht: Ungebremst über Schlaglöcher zu fahren verkürzt die Lebensdauer der Stoßdämpfer!

Häufigste Ursachen für defekte Stoßdämpfer

Nicht nur Verschleiß kann Deinen Schwingungsdämpfern den Garaus machen. Was für Ursachen in Frage kommen? Ein Stoßdämpfer-Defekt kann folgende Ursachen haben:

  • Natürlicher Verschleiß
  • Schlechte Straßenverhältnisse – mit Schlaglöchern, Unebenheiten & Co.
  • Waghalsiges Fahrverhalten
  • Äußere Gewalteinwirkungen – zum Beispiel bei Autounfällen
  • Korrosion und Rost
    • Die Folge: Die Funktion des Schwingungsdämpfers ist gestört.
  • Als Folgeschaden – zum Beispiel eines falschen Reifendrucks
    • Ist der Reifendruck auf einer Seite viel zu niedrig, wirkt sich das auf die Fahrzeug-Stabilität aus.
    • Das Ergebnis: Der Stoßdämpfer kann früher oder später den ihm zugemuteten Kräften nicht mehr standhalten.
Profi-Tipp von Meister Brian: Ein verschlissener Schwingungsdämpfer kann auch einen neuen Stoßdämpfer in Mitleidenschaft ziehen. Schließlich kann auch das beste Teil nur die Kräfte aushalten, für die es verbaut wurde. Gerät das Gleichgewicht ins Wanken, wird der Stoßdämpfer zu stark beansprucht – und der nächste Defekt ist vorprogrammiert. Deswegen erfolgt der Stoßdämpfer-Wechsel auch immer achsweise.
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Äußere Gewalteinwirkungen können einen folgenschweren Stoßdämpfer-Defekt nach sich ziehen

Auch wenn ein Stoßdämpfer-Defekt in der Regel schleichend kommt – es gibt gewisse Anzeichen, die Du nicht ignorieren solltest. Welche das sind – das erfährst Du jetzt!

Stoßdämpfer defekt: Symptome

Ein Stoßdämpfer-Defekt äußert sich auf verschiedene Art und Weise. Dabei kannst Du sowohl auffällige Geräusche wahrnehmen als auch ein verändertes Fahrverhalten feststellen. Und als versierter Hobbyschrauber wirst Du mit einer eingehenden Sichtprüfung einen defekten Stoßdämpfer schnell entlarven können. Wir verraten Dir natürlich noch, worauf Du hier insbesondere achten solltest. Bereit? Let’s go!

Profi-Tipp von Meister Brian: Wie so häufig gilt auch bei einem Verdacht auf Stoßdämpfer-Defekt: Du solltest per Ausschluss-Verfahren vorgehen und einfache Ursachen zuerst ausschließen. So kann beispielsweise auch ein falscher Reifendruck ähnliche Symptome wie ein kaputter Stoßdämpfer hervorrufen.

Defekte Stoßdämpfer: Fahrverhalten

Sind die Stoßdämpfer stark verschlissen, macht es sich im Fahrverhalten bemerkbar. Insbesondere bei folgenden Auffälligkeiten solltest Du hellhörig werden und schleunigst die Stoßdämpfer überprüfen lassen:

  • Ein schwammiges Fahrgefühl, das in den Kurven stärker wird, kann auf defekte Schwingungsdämpfer hinweisen.
    • Verschlissene Schwingungsdämpfer können die Fahrwerksfedern nicht mehr unter Kontrolle halten.
    • Da sich das Fahrzeuggewicht in Kurven einseitig verlagert, spürst Du das schwammige Fahrgefühl in dieser Situation umso stärker.
  • Aber auch wenn Du geradeaus fahren möchtest und dafür ständig Lenkkorrekturen vornehmen musst, kann es sein, dass ein Stoßdämpfer-Defekt vorliegt.
    • Arbeiten die Schwingungsdämpfer nicht mehr richtig, sind die Vibrationen & Co. nicht mehr unter Kontrolle.
    • Somit gerätst Du sozusagen auf eine schiefe Bahn.
  • Ist der Bremsweg länger als üblich und kommt ein Bremsen-Defekt nicht in Frage, solltest Du ebenfalls hellhörig werden.
    • In dem Fall liegt die Vermutung nahe, dass die Reifenaufstandsfläche gestört ist.
    • Dahinter kann ein Stoßdämpfer-Defekt stecken.

Defekte Stoßdämpfer: Geräusche

Sind die Fahrwerksfedern nicht mehr unter Kontrolle, können auch typische Geräusche entstehen. Insbesondere wenn Du auf unebenen Straßen fährst oder eine Kuppe in der 30-Zone passierst, solltest Du quietschende bzw. polternde Geräusche nicht ignorieren. Warum? Weil solche Geräusche ein klares Indiz dafür sind, dass die Stoßdämpfer defekt sind und die Federn außer Kontrolle geraten. Das Ergebnis: Die Stöße werden nicht mehr gedämpft, unschöne Geräusche sind die Folge.

Tipp: Wo wir schon bei Geräuschen sind: In einem anderen Beitrag erklären wir Dir, was hinter dem unangenehmen Bremsen-Quietschen steckt. Mit nur einem Klick gelangst Du dorthin!
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Ein geschulter Blick genügt, um festzustellen: Diese Stoßdämpfer sind defekt.

Stoßdämpfer-Defekt: Sichtprüfung

Beim nächsten Reifen-Wechsel solltest Du nicht nur die Reifen inspizieren. Nutze die Gelegenheit, um auch einen kritischen Blick auf die freigelegten Schwingungsdämpfer zu werfen:

  • Ein unregelmäßiger, punktueller, wellenförmiger Reifenverschleiß mit Auswaschungen deutet auf einen Stoßdämpfer-Defekt hin.
  • Ist der Schwingungsdämpfer verschmiert bzw. sind dort ausgehärtete Schmutzstellen zu sehen, kannst Du davon ausgehen, dass der Stoßdämpfer undicht ist.
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Dreck-Ansammlungen, verschmierte und rostige Stellen sprechen Bände: Der Stoßdämpfer ist undicht.
Profi-Tipp von Meister Brian: Auch auf dem Querlenker hat Öl nichts zu suchen. Siehst Du einen solchen Schmierfilm oder entdeckst Du sogar Ölspuren unter dem Auto auf Höhe der Stoßdämpfer, sollten die Alarmglocken läuten. In dem Fall solltest Du schleunigst die Stoßdämpfer wechseln (lassen).

So weit zu den Symptomen, die Dir direkt auffallen dürften. Solltest Du Dir noch unsicher sein und noch mehr Gewissheit haben wollen, hast Du noch die Möglichkeit, die Stoßdämpfer zu testen bzw. überprüfen zu lassen. Wie das geht – das erfährst Du natürlich auch noch von uns!

Stoßdämpfer testen: So geht’s!

Wenn Du die Stoßdämpfer testen möchtest, stehen Dir mehrere Alternativen zur Verfügung. Zwei davon kannst Du selbst durchführen. Die dritte solltest Du den Autoteile-Profis in der Fachwerkstatt überlassen.

Stoßdämpfer testen – leicht gemacht

Der erste Test ist recht einfach und verlangt lediglich einen mittelmäßigen Kraftaufwand (solange Du keine LKW-Stoßdämpfer testen möchtest, versteht sich). In dem Fall ist der Test kinderleicht und läuft wie folgt ab:

  • Drück mit Schwung auf die Motorhaube und beobachte, was passiert.
  • Wippt das Fahrzeug mehr als 2-mal nach, kannst Du davon ausgehen, dass die Stoßdämpfer defekt sind.
Wusstest Du das? Da Du mit diesem Trick sehr schnell und einfach die Funktionsfähigkeit Deiner Schwingungsdämpfer überprüfen kannst, spricht man von einem „Schnell-Test“ – der natürlich nichts mit Corona zu tun hat. Hier und da findet man auch die Bezeichnung „Wipp-Test“, da das „Nachwippen“ maßgeblich das Testergebnis beeinflusst.

Stoßdämpfer testen – mittelschwer

Etwas schwieriger zu bewerkstelligen und dennoch gar nicht so schwer durchzuführen ist der sogenannte „Vergleichstest“. Wenn Du das entsprechende Know-how mitbringst und die Möglichkeit hast, eine Vergleichsfahrt durchzuführen, wirst Du als Autoteile-Profi schnell das Fahrzeug mit dem defekten Stoßdämpfer ausfindig machen können:

  • Hierfür brauchst Du am besten zwei identische Fahrzeugmodelle.
  • Nun solltest Du mit jedem Auto jeweils eine Testfahrt unter gleichen Bedingungen vornehmen.
  • Treten die oben beschriebenen typischen Anzeichen auf, kannst Du von einem Stoßdämpfer-Defekt bei dem Fahrzeug mit dem auffälligen Fahrverhalten ausgehen.

Wie ein solcher Stoßdämpfer-Test vonstattengeht, das kannst Du folgendem Video entnehmen. Darin findest Du auch noch eine Zusammenfassung aller Symptome und Auffälligkeiten, die für defekte Schwingungsdämpfer sprechen:

Stoßdämpfer testen – in der Fachwerkstatt

In der Fachwerkstatt kann eine umfangreichere Testung durchgeführt werden – mit einem Fahrwerkstester, der die Stoßdämpfer einer vollständigen Überprüfung unterziehen kann. Hier werden die verschiedenen gemessenen Werte über eine spezialisierte Software ausgewertet und ein Abschlussbericht erstellt. Spätestens dann, wenn es Schwarz auf Weiß steht, heißt es für Dich: Du wirst die Stoßdämpfer wechseln müssen. Wie das geht, erfährst Du in einem separaten Beitrag.

Warum Du nicht so lange damit warten solltest – das verraten wir Dir auch noch!

Defekte Stoßdämpfer: Gefahren

Warum Du nicht mit einem Stoßdämpfer-Defekt weiterfahren solltest? Ganz einfach: Weil Du Dich hiermit selbst sowie alle anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen würdest. Und wenn Du Dir die bereits beschriebenen Symptome anschaust, dürfte Dir auch schnell einleuchten, warum es definitiv keine gute Idee ist, mit kaputten Schwingungsdämpfern weiterfahren zu wollen. Wir fassen die Gefahren zusammen:

  • Durch die gestörte Aufstandsfläche der Reifen kannst Du in Kurven ins Schleudern geraten bzw. die Kontrolle über den Wagen verlieren.
    • Dabei kann Dir das ESP-System auch nicht weiterhelfen, da es ebenfalls gestört ist.
  • Wenn der Kontakt zwischen Reifen und Straße gestört ist, hat das Auswirkungen auf das Bremsverhalten:
    • Aber auch das ABS-System kann nicht richtig greifen, was das Ganze noch verschlimmert.
  • Aus den gleichen Gründen hast Du bei drohendem Aquaplaning ganz schlechte Karten.
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Dieser Schwingungsdämpfer ist kaputt – und auch nicht mehr zu retten.
Ein letzter Tipp: Eine weitere negative Auswirkung defekter Stoßdämpfer stellt der vorzeitige Reifenverschleiß dar. Die unregelmäßige Verlagerung des Fahrzeuggewichts lastet auf den betreffenden Reifen, die dementsprechend schneller hinüber sein werden.

So, nun weißt Du alles, was Du in Sachen defekte Stoßdämpfer wissen musst. Jetzt wollen wir es aber wissen: Hattest Du schon Probleme mit den Schwingungsdämpfern? Woran hast Du denn gemerkt, dass etwas nicht stimmte? Bist Du vielleicht sogar aufgrund eines Stoßdämpfer-Defekts in eine kritische Lage geraten? Wir sind sehr gespannt auf Deinen Kommentar!

Chris von ATP

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