3 Sep 2021 Autowissen
Gefahrenbremsung_ATP

Gefahrenbremsung: Das musst Du wissen!

Alles andere als ungefährlich und dennoch in manchen Situationen unausweichlich: die Gefahrenbremsung. Wenn Du plötzlich in Not gerätst und von jetzt auf gleich Dein Fahrzeug vollkommen abbremsen musst, dann kommst Du um die Vollbremsung nicht umhin. Doch was ist der Unterschied zwischen einer normalen und einer Gefahrenbremsung? Wann ist eine Notbremsung sinnvoll? Wie lassen sich Bremsweg und Anhalteweg in dem Fall errechnen? All das erfährst Du in diesem Beitrag. Bist Du bereit? Let’s go!

Gefahrenbremsung: Das steckt dahinter

Wie der Name es schon verrät: Eine Gefahrenbremsung passiert nicht alle Tage. Wer eine Vollbremsung tätigt, hat meistens keine andere Wahl und handelt in einer Notsituation. In dem Fall gilt es, den Wagen schnellstmöglich zum Stehen zu bringen, um einen schlimmen Unfall zu vermeiden. Und wie geht das? Genau! Indem Du die volle Bremskraft Deines Fahrzeugs in Anspruch nimmst und eine Notbremsung vollziehst:

  • Bei einer Gefahrenbremsung trittst Du voll auf das Bremspedal (und auf die Kupplung).
Gut zu wissen: Ob Gefahrenbremsung, Notbremsung oder Vollbremsung – gemeint ist immer das Gleiche. Es geht darum, dafür zu sorgen, dass das Fahrzeug so schnell wie möglich vollständig abbremst. Während die ersten beiden Bezeichnungen auf die Notsituation anspielen, rückt bei dem dritten Wort die eigentliche „extreme“ Handlung (Vollbremsung) in den Vordergrund.
Notbremsung_erforderlich_ATP
Achtung! Bei einer Vollbremsung des Vordermannes kommst Du um eine Gefahrenbremsung nicht herum!

Wann ist eine Vollbremsung sinnvoll?

Du ahnst es schon: Eine Vollbremsung kommt nur in akuten Gefahrensituationen in Frage. Schließlich stellen solche starken Bremsmanöver selbst ein besonders hohes Unfallrisiko dar. Gerne nennen wir Dir zur Veranschaulichung vier Beispielsituationen, in denen eine Notbremsung notwendig ist:

  • Du bist auf der Autobahn mit 120 Km/h unterwegs und wirst nach einer Kurve von einem Stauende überrascht.
  • Eine Gefahrenbremsung bei 50 Km/h erfolgt typischerweise bei unvorhersehbaren Ereignissen im Stadtverkehr:
    • Ein Fußgänger geht plötzlich über Rot und Du kannst nur mit einer Vollbremsung versuchen, den Zusammenprall zu verhindern.
    • Zwischen den parkenden Autos taucht auf einmal ein kleines Kind auf, das unüberlegt auf die Straße läuft.
  • Auch ein Horrorszenario kann sich an Kreuzungen ereignen:
    • Du fährst auf die Kreuzung zu und siehst in letzter Minute, wie jemand mit voller Geschwindigkeit über Rot fährt.
    • Auch hier hast Du keine andere Wahl als voll zu bremsen.
  • In manchen Fällen bildet die Gefahrenbremsung die einzige Möglichkeit, einen Wildunfall zu vermeiden.
Wusstest Du das? Du hast bestimmt schon mal auf Landstraßen oder auf der Autobahn schwarze Reifenspuren auf der Fahrbahn entdeckt. Was dahintersteckt? Extreme Vollbremsungen in Notsituationen, die entsprechende Reifenspuren auf dem Asphalt hinterlassen. Der Abrieb des Reifengummis und die durch das scharfe Bremsen erzeugte Hitze führt zu diesen unverkennbaren Spuren.
Gummispuren_auf_der_Fahrbahn_nach_Notbremsung_ATP
Eine heftige Notbremsung hinterlässt eindeutige Gummi-Spuren auf der Fahrbahn!

Gefahrenbremsung in der Fahrschule

Da Notbremsungen Leben retten können, gehören sie zur Fahrschulausbildung dazu. Nicht nur im Rahmen der Theorieprüfung, auch in der Praxis werden gerne die Nerven der Fahrschülerinnen und -Schüler auf die Probe gestellt. Selbstverständlich kann eine Gefahrenbremsung in der Fahrschule nur kontrolliert stattfinden – und zwar unter Aufsicht des Fahrlehrers, der nur so tut, als wäre eine Vollbremsung auf einmal absolut notwendig. Dabei wird sichergestellt, dass niemand gefährdet wird. Wie das geht? Ganz einfach:

  • Meistens erfolgt die Übung auf einer leeren Straße, indem das Experiment sicher stattfinden kann.
  • Der Fahrlehrer bringt Dich dann dazu, eine Gefahrenbremsung bei 50 Km/h (zum Beispiel) durchzuführen, indem er eine Notsituation inszeniert.
    • Dabei kann die Übung vorangekündigt oder spontan erfolgen. Sprich:
      • Entweder überrascht Dich der Fahrlehrer mit einem plötzlichen Befehl, sofort anzuhalten.
      • Oder er weiht Dich im Vorfeld ein und bittet Dich, auf sein Kommando entsprechend zu handeln.
  • Eine kontrollierte Gefahrenbremsung kann auch Bestandteil der praktischen Prüfung sein.
Vollbremsung_wegen_drohender_Kollision_ATP
Wenn eine Kollision droht: Trotz Schreckensmoment Gefahrenbremsung richtig durchführen!

Profi-Tipp: Damit Du vor lauter Nervenkitzel nicht den Motor abwürgst, solltest Du bei einem Schaltgetriebe immer dran denken, sowohl das Kupplungs- als auch das Bremspedal vollständig zu treten. Bei einem Automatik-Getriebe gestaltet sich die Übung deutlich einfacher. In dem Fall musst Du lediglich sofort die Bremse bis zum Anschlag durchtreten.

Nun weißt Du, was es mit der Vollbremsung auf sich hat und wie diese vonstattengeht. Aber wie kannst Du wissen, ob die Gefahrenbremsung den drohenden Aufprall noch vermeiden kann – oder nicht? Das verraten wir Dir sofort!

Bremsweg bei Gefahrenbremsung mit Formel berechnen: So geht’s!

Zumindest in der Theorie gibt es eine Möglichkeit, den Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung zu berechnen. Wie das geht? Mit einer Formel, die Du für die Führerschein-Prüfung unbedingt draufhaben solltest. Warum? Ganz einfach:

  • Ob es zum Aufprall und zum schweren Autounfall bzw. Wildunfall kommt – das hängt maßgeblich vom Bremsweg und Anhalteweg ab.
    • Anhand der Gefahrenbremsung-Formel kannst Du leicht herausfinden, wie viele Meter Du brauchst, um Deinen Wagen vollständig zum Stehen zu bringen.

Wichtig: Der Anhalteweg fällt immer etwas länger als der Bremsweg aus, da darin noch die Reaktionszeit mit bedacht ist. Zwischen dem Erkennen der drohenden Gefahr und dem Einleiten des Bremsens vergehen nämlich immer ein paar Millisekunden – in denen Dein Wagen weiter rollt. Dabei hängt die Reaktionszeit maßgeblich von der Konzentration ab: Daher kostet jede Art von Ablenkung (Fahren unter Alkoholeinfluss, Nutzung des Handys am Steuer usw.) wertvolle Reaktionszeit.

Bremsweg, Reaktionsweg und Anhalteweg berechnen

Die Formeln zur Berechnung des Brems- und Anhalteweges dürften Dir aus der Fahrschule noch bekannt sein. Wenn nicht, helfen wir Deinem Gedächtnis gerne auf die Sprünge:

Normaler Bremsweg (in m) ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x (Geschwindigkeit ÷ 10)
Reaktionsweg (in m) ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x 3
Anhalteweg (in m) = Bremsweg + Reaktionsweg
Grafik_Anhalteweg_mit_Gefahrenbremsung_bei_70_Km-h_ATP
Aufgepasst: Je schneller Du fährst, desto länger ist der Anhalteweg bei einer Gefahrenbremsung!

Faustformel für Gefahrenbremsung

Bei einer Notbremsung forderst Du die maximale Bremskraft aus Deinem Fahrzeug heraus. Logischerweise verkürzt sich dadurch auch der Bremsweg. Als Faustformel für Gefahrenbremsungen kannst Du Dir merken:

Bremsweg bei Gefahrenbremsung (in m) ≈
(Geschwindigkeit ÷ 10) x (Geschwindigkeit ÷ 10) ÷ 2

Bremsweg bei Gefahrenbremsung:
Auf die Geschwindigkeit kommt es an
!

Ob die Vollbremsung Dich vom Schlimmsten bewahren wird, hängt maßgeblich von der Geschwindigkeit ab, mit der Du unterwegs bist, und dem Abstand zum Vordermann. Selbstverständlich spielen noch andere Faktoren – wie der Zustand Deiner Bremsanlage, Deiner Reifen und der Fahrbahn sowie die Witterungsverhältnisse – eine erhebliche Rolle. Jedoch bringen auch die besten Fahrbedingungen und die beste Ausstattung nichts, wenn die physikalischen Grenzen erreicht sind. Und hier ist insbesondere die Geschwindigkeit, von der aus Du die Vollbremsung durchführen möchtest, von zentraler Bedeutung. Denn: Je schneller Du bist, desto länger dauert es, bis Dein Wagen tatsächlich steht. Du bist noch nicht ganz überzeugt? Dann haben wir noch drei Beispiele für Dich!

Bremsweg einer Gefahrenbremsung bei 50 Km/h

Dank der Gefahrenbremsungsformel kannst Du unschwer den Bremsweg einer Gefahrenbremsung bei 50 Km/h herausfinden – und zwar wie folgt:

Bremsweg einer Gefahrenbremsung bei 50 Km/h:
(50 ÷ 10) x (50 ÷ 10) ÷ 2 = 5 x 5 ÷ 2 = 12,50 Meter

Hinzu kommt noch der Reaktionsweg, der bei 50 Km/h circa 15 Meter beträgt. Das heißt: Liegt das Hindernis in weniger als 27,50 Meter-Entfernung ist – trotz Notbremsung – ein Zusammenstoß unvermeidbar.

Bremsweg einer Gefahrenbremsung bei 30 Km/h

Bist Du in einer 30er-Zone unterwegs und musst plötzlich voll in die Eisen gehen, weil ein Kleinstkind mit seinem Laufrad auf die Fahrbahn rollt, dann musst Du mit folgendem Bremsweg rechnen:

Bremsweg einer Gefahrenbremsung bei 30 Km/h:
(30 ÷ 10) x (30 ÷ 10) ÷ 2 = 3 x 3 ÷ 2 = 4,5 Meter

In dem Fall beträgt der Anhalteweg 13,5 Meter, da der Reaktionsweg sich bei einer Geschwindigkeit 30 Km/h auf 9 Meter verkürzt.

Bremsweg einer Gefahrenbremsung bei 100 Km/h

Auf einer Landstraße kann es durchaus passieren, dass Du aufgrund eines drohenden Wildunfalls eine Gefahrenbremsung bei 100 Km/h durchführen musst. In dem Fall wird es schon deutlich heikler:

Bremsweg einer Gefahrenbremsung bei 100 Km/h:
(100 ÷ 10) x (100 ÷ 10) ÷ 2 = 10 x 10 ÷ 2 = 50 Meter

Nimmst Du noch den Reaktionsweg hinzu (30 Meter), wird Dir bewusst, dass Du auch bei einer Vollbremsung 80 Meter brauchen wirst, um Deinen Wagen vollständig zu stoppen.

Profi-Tipp: Wenn Du mehr zum Thema Wildunfall erfahren möchtest, haben wir einen ausführlichen Beitrag für Dich in petto. Klick einfach auf vorigen Link, um alle wichtigen Infos zu erhalten! Du fragst Dich, was die häufigsten Ursachen für Autounfälle sind? Auch hierfür wirst Du bei uns fündig!
Noch ein Tipp: Bei einer Vollbremsung drohen die Räder zu blockieren. Daher sind moderne Fahrzeuge mit einem Anti-Blockier-System (ABS) ausgestattet, das dem entgegenwirkt. Sobald das ABS greift, geht die entsprechende Kontrollleuchte im Cockpit an.
ABS-Laempchen_leuchtet_bei_einer_Vollbremsung_auf_ATP
Bei einer Vollbremsung leuchtet das ABS-Lämpchen auf – das System arbeitet auf Hochtouren, um das Blockieren der Räder zu verhindern!

Vollbremsung – aber sicher! Unsere Tipps

Solltest Du in die unschöne Situation kommen, aus der Not heraus das Bremspedal bis zum Anschlag durchtreten zu müssen, haben wir noch fünf wichtige Tipps für Dich:

So, nun bist Du aber an der Reihe. Musstest Du schon mal von jetzt auf gleich voll in die Eisen gehen und eine Gefahrenbremsung durchführen? Hast Du den Zusammenstoß noch verhindern können? Erzähl uns gerne mehr davon in einem Kommentar! Wir sind gespannt!

Chris von ATP

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