22 Okt 2021 Autowissen
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Motoröl mischen: Was geht – und was nicht

Spätestens wenn die Motoröl-Anzeige im Cockpit aufleuchtet und Dir bewusst wird, dass Deine Ölreserven so gut wie aufgebraucht sind, dürftest Du Dir auch die Frage stellen: Ist Motoröl mischbar? Kann man 5W-30 mit 5W-40 mischen? Kann man 5W-40 mit 10W-40 mischen? In diesem Beitrag erklären wir Dir, wann Du Motoröl mischen kannst – und wann nicht. Bist Du bereit? Los geht’s!

Ist Motoröl mischbar?

Die Antwort lautet: Jein. Warum? Ganz einfach: Es kommt ganz darauf an, welche Motoröle Du mischen möchtest und – vor allem – was Dein Motor verträgt. Was dabei eine Rolle spielt – das verraten wir Dir jetzt!

Motoröl verschiedener Hersteller mischen: Das geht!

Bei identischen Motorölen verschiedener Hersteller kannst Du bedenkenlos die Öle mischen. Wichtig ist dabei, dass Du sicherstellst, dass die Öle wirklich identisch sind und dass sie den Herstellerangaben Deines Autos entsprechen. Dabei spielt nicht nur die SAE-Klasse, sondern auch die ACEA-Spezifikation eine Rolle. Letztere gibt an, ob das Motoröl sich ausschließlich mit Otto- bzw. Dieselmotoren verträgt – oder ob es sowohl für Benziner als auch für Diesel-Fahrzeuge in Frage kommt.

Gut zu wissen: Innerhalb der ACEA-Spezifikation stehen die Buchstaben für den Motortyp. Der Buchstabe A weist auf eine Kompatibilität mit Pkw-Otto-Motoren hin. Pkw-Dieselmotoren verlangen hingegen Öle mit B-Kennzeichnung. Benziner und Dieselfahrzeuge mit modernen Abgasnachbehandlungssystemen (z. B. Partikelfiltern) verlangen hingegen C-Motoröle. Der Grund? Partikelfilter sind gegenüber Sulfat-Asche empfindlich – daher sollten Motoröle Anwendung finden, die einen möglichst niedrigen Aschegehalt haben.
Auch interessant: Auch der sogenannte HTHS-Wert spielt eine maßgebliche Rolle. Was sich dahinter verbirgt? HTHS steht für „High Temperature High Share“. Mit anderen Worten: Der Wert gibt an, wie das Öl sich unter besonders „hitzigen“ Bedingungen im Motorraum verhält. Gerade leistungsstarke Motoren verlangen Öle, die deren Schmierfähigkeit auch bei Temperaturen bis zu 150° nicht verlieren. Und das klappt nur bei einem Öl mit angemessenem HTHS-Wert.

Verschiedene Öle mischen: Darauf musst Du achten

Sind die Öle verschieden, kannst Du nicht ohne Weiteres Motoröle mischen. Denn hier musst Du zunächst herausfinden, ob das Gemisch nur Öle beinhaltet, die den Herstellervorgaben Deines Wagens entsprechen. Zu dünnflüssiges bzw. zu zähflüssiges Öl kann zu irreparablen Motorschäden führen. Hinzu kommen noch die Witterungsverhältnisse: Steht Dir ein eisigkalter Winter bevor, solltest Du darauf achten, nur Motoröle zu mischen, die den erwarteten Außentemperaturen auch standhalten können.

Profi-Tipp: Welche Motoröle Dein Motor braucht – das kannst Du dem Serviceheft bzw. den Angaben auf dem Öltank entnehmen. Hast Du verschiedene Öle zur Hand, die allesamt den Spezifikationen laut Herstellerangaben entsprechen, sind die verschiedenen Motoröle mischbar. Hier musst Du nur noch sicherstellen, dass die Umgebungstemperaturen für das Gemisch auch stemmbar bleiben.
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Verschiedene Motoröle zu mischen – das kann gefährlich werden!

Motoröl mischen: Das sind die Folgen

Was passiert eigentlich, wenn man verschiedene Öle mischt, die sich untereinander vertragen und jeweils laut Herstellervorgaben zulässig sind? Das erfährst Du, wenn Du weiterliest!

Kann man 5W-30 mit 5W-40 mischen?

In dem Fall ist die Kälte-Eigenschaft beider Öle identisch, daher dürften die erwarteten Wintertemperaturen keine Rolle spielen. Die Schmierfähigkeit des Ölgemischs ist bis zu -35 Grad gewährleistet. Aber was ist mit der unterschiedlichen Hitzebeständigkeit? Hier kommt es ganz auf Deinen Motor an:

  • Verlangt Dein Motor 5W-40-Öl, dann ist die Mischung gefährlich.
    • Mischst Du nämlich ein weniger hitzebeständiges Öl bei (5W-30), wird das Endgemisch den Temperaturen im Motorraum nicht mehr standhalten können.
  • Umgekehrt ist es völlig unbedenklich, 5W-30 und 5W-40 zu mischen, wenn Dein Motor für 5W-30 ausgelegt ist.
    • In dem Fall erzeugst Du sogar ein höherwertiges Gemisch.
Tipp: Du bist Dir unsicher, ob Du 5W-30 oder 5W-40 nehmen sollst? Mit einem Klick erfährst Du alles, was Du zum Thema wissen musst!

Kann man 10W-40 mit 5W-40 mischen?

Nun ist die Hitzebeständigkeit beider Öle die gleiche – was variiert, ist nun das Verhalten des Öls bei niedrigen Temperaturen. Daher ist die Frage durchaus berechtigt, ob 5W-40- und 10W-40-Motoröle mischbar sind – oder nicht. Auch hier solltest Du die Herstellerangaben beachten:

  • Verträgt Dein Motor beide Öle, können die Umgebungstemperaturen ausschlaggebend sein.
    • Ein 10W-40-Motoröl duldet Minus-Temperaturen bis maximal -30°.
    • 5W40-Motoröle kommen auch bei -35° zurecht.
  • Ist nur eins der Öle laut Hersteller kompatibel, gilt:
    • Ist Dein Motor für 5W-40 ausgelegt, solltest Du kein 10W-40 beimischen.
    • Bei 10W-40-Motoren kannst Du 5W-40 nachfüllen, da letzteres hochwertiger ist.

Kann man 5W-30 mit 10W-40 mischen?

Jetzt wird es heikler, denn nun hast Du es mit Ölen zu tun, die sich sowohl bei niedrigen Temperaturen als auch bei Hitze unterschiedlich verhalten. Also: 5W-30 mit 10W-40 mischen – geht das? Auch hier hängt die Antwort nicht nur von den Herstellervorgaben, sondern auch von der „Mischrichtung“ ab:

  • Dein Wagen hat einen Motor, der mit 5W-30 und 10W-40 klarkommt?
    • Dann kannst Du grundsätzlich beides mischen.
    • Allerdings dürfte je nach Mischverhältnis die Kaltstartleistung eine andere sein.
      • Je mehr 10W-40 Du beimischst, desto schlechter die Kaltstartleistung.
    • Möchtest Du den Motor auf Hochtouren bringen, bist Du mit einem höheren Anteil an 10W-40-Öl besser bedient.
      • Je mehr 5W-30 Du in das 10W-40-Öl mischst, desto schlechter die Schmierfähigkeit bei hitzigen Temperaturen.
  • Verträgt Dein Motor nur die eine Variante, ist die Mischrichtung entscheidend:
    • Verlangt Dein Motor 10W-40, dann riskierst Du mit einem 5W-30-10W-40-Gemisch Motorschäden.
    • Ist der Motor für 5W-30 konzipiert, kannst Du 10W-40 mischen, sofern die Außentemperaturen das zulassen.
Auch interessant: Wie Du das Motoröl und den Ölfilter wechseln kannst – das erfährst Du auch bei uns im Blog!
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Im Maße ist Motoröl mischbar – ratsam ist es jedoch definitiv nicht.

Motoröl mischen: Profi-Tipps

Dass unter bestimmten Umständen verschiedene Motoröle mischbar sind, ist die eine Sache. Ob Du das wirklich tun solltest, ist eine andere Frage. Deswegen haben wir unseren Autoteile-Profi Meister Brian gefragt, ob es tatsächlich unbedenklich sei, unterschiedliche Motoröle zu mischen. Was er dazu sagt? Das verraten wir Dir jetzt!

Motoröl mischen solltest Du lieber nicht

Jedes Öl ist für spezifische Bedürfnisse ausgelegt. Und jeder Motor kann nur optimal funktionieren, wenn es genau das bekommt, was er für seine Zwecke braucht. Veränderst Du das Gemisch, indem Du verschiedene Motoröle mischst, entsteht – logischerweise – eine neue Zusammensetzung. Und letztere wirkt sich unter anderem auf die Schmierfähigkeit und die Hitzebeständigkeit aus. Dabei übernimmt das hochwertigere Öl die schlechteren Eigenschaften des „schwächeren“ Öls. Das bedeutet: Die Bedingungen im Motorraum verschlechtern sich.

Profi-Tipp N° 1 von Meister Brian: Mit zu wenig Öl unterwegs zu sein, ist extrem schädlich. Im Notfall kann es somit durchaus sinnvoll sein, verschiedene Öle zu mischen, um zumindest das Worst-Case-Szenario zu vermeiden. Allerdings solltest Du hier nur Motoröle verwenden, die den Herstellervorgaben Deines Fahrzeugs entsprechen. Und Du solltest maximal 10 % des Gemischs mit dem „Notfall-Öl“ strecken.
Profi-Tipp N° 2 von Meister Brian: Wenn Du es im Notfall nicht vermeiden kannst, dass das Mischungsverhältnis größer als 10 % wird, dann solltest Du zeitnah einen Öl- und Filterwechsel nach Herstellervorschriften durchführen (lassen). Außerdem solltest Du noch unbedingt herausfinden, warum so viel Öl gefehlt hat (Verbrannt? Undichtigkeit? Schon ewig nicht mehr nachgefüllt?).

Vollsynthetisches Öl mit Mineralöl mischen: Keine gute Idee

Auch vollsynthetisches Öl mit Mineralöl mischen zu wollen, ist keine gute Idee. Warum? Weil Du hiermit die besonderen Eigenschaften des vollsynthetischen Öls verlierst, die genau auf Deinen Motor zugeschnitten sind. Vollsynthetische Öle sind meistens hochwertiger und bieten die bestmögliche Schmiereigenschaft. Änderst Du die künstlich herbeigerufene Zusammensetzung und kippst natürliches Mineralöl hinein, kann der Motor Schäden davontragen.

Tipp: Du hast die verwendete Ölflasche vollständig geleert? Werfe sie bitte nicht in den normalen Müll. Denn auch leere Ölbehälter solltest Du ähnlich wie Altöl entsorgen. Wie das geht – das erfährst Du mit einem Klick auf vorigen Link!

Longlife-Öle mischen solltest Du nicht

Wie der Name es schon verrät: Longlife-Öle sollen eine höhere Lebensdauer gewährleisten. Wie diese erreicht wird? Durch eine perfekt abgestimmte Zusammensetzung von Motoröl und Additiven. Nun kannst Du Dir unschwer vorstellen, dass Du die Hochwertigkeit Deines Longlife-Öls gefährdest, wenn Du verschiedene Motoröl mischst.

Absolut tabu: 2-Takt-Motoren- mit 4-Takt-Motoren-Ölen mischen

Wenn Du gedacht hast, dass Du das übriggebliebene Öl Deines Motorrollers für Deinen Pkw verwenden kannst, müssen wir Dich enttäuschen. Motorroller sind mit sogenannten 2-Takt-Motoren ausgestattet und haben ganz andere Anforderungen in Sachen Motoröl als Pkws – die mit Vier-Takt-Motoren funktionieren. Die Öle für Zwei-Takt-Motoren haben eine ganz andere Zusammensetzung als die für 4-Takt-Motore verwendeten Öle.

Wusstest Du das? Während Vier-Takt-Motore – Überraschung! – in 4 Schritten arbeiten, sind Zwei-Takt-Motoren einfacher konzipiert und funktionieren in zwei Schritten. Übrigens: Das Motoröl für Zwei-Takt-Motoren wird meistens direkt in den Benzin-Tank eingefüllt – und nicht in einen separaten Behälter. Das erklärt, warum Zwei-Takt-Motoren weder Ölwanne noch Ölpumpe haben.

Diesel- und Otto-Motoröle sind nicht mischbar

Heutzutage sind viele der gängigsten Motoröle – wie zum Beispiel 5W-30 oder 5W-40 – sowohl für Diesel- als auch Otto-Motoren geeignet. Allerdings ist das nur der Fall, wenn die Öle den entsprechenden ACEA-Spezifikationen entsprechen. Somit solltest Du reine A-Motoröle (nur für Benziner) nicht mit puren B-Motorölen (nur für Diesel) mischen. Trägt das Öl sowohl die A- als auch B-Spezifikation, sind die Motoröle mischbar – vorausgesetzt die Viskositätsklassen stimmen überein.

Wichtig: Ist Dein Wagen mit einem Partikelfilter ausgestattet, kommt weder die A- noch die B-Spezifikation in Frage. Hier musst Du unbedingt ein C-Motoröl nehmen – mit dem passenden HTHS-Wert. Denn bei solchen Motoren ist es extrem wichtig, dass das verwendete Öl bei der Verbrennung so wenig wie möglich Asche produziert.

Sind Motoröle mischbar? Unser Fazit

In der Not kannst Du auch Motoröle mischen. Allerdings nur, wenn Du hierbei die Herstellerangaben einhältst und maximal 10 % eines anderen Öls beimischst. Prinzipiell raten wir jedoch davon ab. Denn: Egal, wie Du die Motoröle mischst, am Ende wird das Gemisch minderwertiger sein, als die reine Zusammensetzung des eigentlich notwendigen Motoröls. Und wenn das Mischverhältnis nicht mehr stimmt bzw. das Öl nicht mehr den spezifischen Anforderungen Deines Motors gerecht wird, dann drohen große Schäden – ob an den Kolben, den Dichtungen oder am Katalysator. Noch heikler wird es, wenn Du die Herstellervorgaben ignorierst – in dem Fall bleibst Du auch auf den Reparaturkosten sitzen. Wenn Du nämlich entgegen der Herstellervorgaben Motoröle mischst, führt das zum Erlöschen der Herstellergarantie…

Unser Tipp: Du fragst Dich, woran Du einen Katalysator-Defekt erkennen kannst? Auch dazu haben wir einen Beitrag für Dich in petto!

So, jetzt sind wir aber neugierig: Hast Du bereits Motoröle gemischt? Hast Du vielleicht trotz prinzipiell mischbaren Ölen irgendwelche Schäden hervorgerufen? Welche verschiedenen Öle hast Du bereits miteinander kombiniert? Wir sind sehr gespannt auf Deinen Erfahrungsbericht!

Chris von ATP

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