Fahrerflucht: kein Kavaliersdelikt, sondern Straftat!

Es ist schnell passiert. Beim Ausparken kurz mal nicht aufgepasst und schon ist eine Delle ins Fahrzeug des Hintermanns gedrückt. Die vielen Dings und Dongs an den Türen machen deutlich, wie schnell es in schmalen Parklücken zu Remplern kommt. Doch was jetzt? Dringender Termin? Wer schnell einen Zettel an der Windschutzscheibe hinterlässt und meint, er habe alles Erforderliche getan, liegt leider falsch. Wer im Anschluss weiterfährt, muss unter Umständen mit empfindlichen Strafen rechnen:

Um dir einen allgemeinen Überblick zu verschaffen, haben wir die wichtigsten Punkte zum Thema Fahrerflucht jeweils kurz und prägnant zusammengefasst:

Unfallflucht – diese Strafen drohen:

Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort – oder umgangssprachlich auch als „Fahrerflucht“ bezeichnet – wird gemäß § 142 Absatz 1 Strafgesetzbuch (StGB) „mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“. Das hört sich jetzt schon heftig an. Aber es handelt sich eben nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um einen Straftatbestand.
Obendrein können Punkte in Flensburg, Führerscheinentzug und Fahrverbot drohen. Wie hoch die Strafe für Fahrerflucht im Einzelfall ausfällt, kommt dabei auf die Umstände des Unfalls und die Schwere des entstandenen Schadens an. Die Unterscheidung von Bagatellschaden, erheblichem Sachschaden und Personenschaden können aber helfen, einen ersten Überblick zu bekommen.

Fahrerflucht nach Bagatellschaden

Selbst bei einem kleinen Parkschaden mit anschließender Flucht handelt es sich um eine Straftat. Also bei jedem Parkrempler dringendst den Autofahrer des anderen Fahrzeuges benachrichtigen, die Polizei rufen oder sich selbst auf dem Revier melden. Doch wie lange warten? Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich, doch meistens ist nach einem Parkrempler in etwa eine Wartezeit von 15 bis 30 Minuten zumutbar. Aufgrund der geringen Schwere des Vergehens kann das Gericht jedoch bei der Verhängung einer Geldstrafe bleiben, die sich an dem monatlichen Einkommen des Täters orientiert. Hinzu treten meist ein Fahrverbot von maximal drei Monaten sowie zwei Punkte in Flensburg. Besinnt sich der Fahrer nach einer Unfallflucht eines besseren und meldet sich innerhalb der nächsten 24 Stunden, kann im Einzelfall eine mildere Strafe verhängt oder gänzlich darauf verzichtet werden.

Fahrerflucht mit erheblichem Sachschaden

Sprengt der Schaden die magische Grenze von 1.300 Euro werden Minderungsgründe meistens nicht mehr anerkannt. Zu beachten ist, dass auch in Mitleidenschaft gezogene Straßenlaternen, Schilder, Hausfassaden usw. bei der Schadenshöhe mit hinein zählen. So kann schnell eine weitaus höhere Geldstrafe oder auch eine Freiheitsstrafe drohen. Bei schweren Unfällen ist dem Verursacher zudem eine längere Wartezeit zuzumuten, diese kann schon mal zwei Stunden betragen. Es kommt dabei immer auf den Einzelfall an.

Fahrerflucht mit Personenschaden

AutounfallKamen bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht Menschen zu Schaden, sind weitreichendere Folgen zu erwarten. In diesem Fall bewegen wir uns im Bereich der fahrlässigen Körperverletzung und der unterlassenen Hilfeleistung. Kommt ein Mensch ums Leben und der Täter begeht Fahrerflucht, macht er sich der fahrlässigen Tötung schuldig.

Wildunfall

Hat man ein Reh oder Wildschwein auf die Hörner genommen, sitzt der Schreck erst mal tief. Zwar handelt es sich bei einem Wildunfall nicht um eine Fahrerflucht, wenn sich der Kraftfahrer vom Unfallort entfernt, dennoch sollte immer die Polizei gerufen und der Wildunfall gemeldet werden.

Was ist eigentlich mit der Versicherung?

Unfallflucht sieht die Versicherung überhaupt nicht gern. Du riskierst dabei deinen Haftpflichtversicherungsschutz. Wird der Fluchtfahrer im Nachhinein geschnappt, zahlt die Versicherung nur teilweise bis gar nicht. Oft kommt es zur Zurückstufung im Schadensfreiheitsrabatt und der Schaden am eigenen Auto muss selbst getragen werden, da sich die Vollkasko im Falle einer Fahrerflucht weigern kann, den Schaden zu übernehmen.

Achtung: Zettel hinterlassen genügt nicht!

Dieser Irrtum muss schnell ausgeräumt werden: Es genügt nicht automatisch, wenn an der Windschutzscheibe ein Zettel mit den Versicherungsdaten hinterlegt wird. Es ist keinerlei Gewährleistung dafür gegeben, dass die Daten tatsächlich dem Unfallfahrer zuzuordnen sind. Vor Gericht hat solch eine Notiz meistens keinerlei Relevanz. Also immer eine angemessene Zeit warten und die Polizei informieren. So bist du auf jeden Fall auf der sicheren Seite.
Mit diesem Wissen schützt du dich selbst vor möglichen Strafen und trägst dabei zur allgemeinen Verkehrssicherheit bei.
In der nächsten Beitragsreihe widmen wir uns dem wichtigen Thema „Erste Hilfe bei Unfällen“ und zeigen dir, welche Schritte für eine optimale Erstversorgung notwendig sind. Bis dahin: Unfallfreie Fahrt!

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Aktuelle Kommentare

  1. Heike sagt:

    Vielen Dank für einen guten Beitrag zum Thema Strafrecht. Ich habe nicht gewusst, dass für eine Fahrerflucht bis zu drei Jahre Gefängnis drohen. Am besten wäre es gleich die Polizei rufen, wenn der Autofahrer des anderen Fahrzeuges im Laufe von 30 Minuten nicht kommt.

  2. Nina Gabert sagt:

    Danke für diesen interessanten Artikel zum Thema Fahrerflucht. Wenn es um kleine Parkrempler geht, ist Gut zu wissen, dass eine Wartezeit von 15 bis 30 Minuten zumutbar ist. Man sollte dann also zusätzlich immer die Polizei anrufen? Wird es auch empfohlen, einen Fachanwalt für Strafrecht zu benachrichtigen?

  3. Maria sagt:

    Danke für die guten Informationen zum Strafrecht. Für gemein denkt man nicht, dass es sich hier um eine Tat handelt die nach dem Strafrecht geahndet wird. Man denke nur an die vielen Rempler die man auf dem Supermarktparkplatz erlebt.

  4. Lena sagt:

    Dass man für Fahrerflucht bis zu drei Jahre ins Gefängnis kommen kann ist ja erstaunlich! Aber es stimmt schon, dass das eine ernstzunehmende Straftat sein kann. Mein Sohn macht gerade seinen Führerschein und ich probiere so gut es geht, ihn über das Verkehrsrecht aufzuklären. Eine Kollegin hat für dasselbe Vorhaben einen Rechtsanwalt für Verkehrsrecht konsultiert.

  5. Mia sagt:

    Danke für die guten Tipps zum Strafrecht. Dass man mit einem Zettel am beschädigten Auto auf der sicheren Seite ist, dachte ich bis ich diesen Artikel gelesen habe. Anscheinend ist das aber doch anders. Vermutlich kommt es darauf an wie der Geschädigte vorgeht.

  6. Jay sagt:

    letztens erst einen zettel an der scheibe gehabt, weil einer meinen spiegel abgefahren hat. haben es dann zwar privat lösen können, aber ich wusste nicht das das strafbar ist.

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