21 Jun 2021 Autowissen
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Die Medizinisch Psychologische Untersuchung (MPU): Vorbereitung, Kosten, Ablauf & Co.

Online-Idiotentests machen auf einer Party durchaus Spaß. Allerdings möchte sicherlich niemand zum Idiotentest antreten, von dem in diesem Beitrag die Rede ist. Warum? Ganz einfach: Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung hat wenig mit Vergnügen zu tun. Wer zur MPU bestellt wird, sollte bestens vorbereitet sein. Schließlich geht es um eine strenge Begutachtung Deiner Fahreignung. Wann eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung notwendig wird, mit welchen MPU-Kosten Du rechnen musst und was für Fragen Dich am Stichtag erwarten – das erfährst Du hier. Los geht’s!

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Das steckt dahinter

Jeder hat schon mal davon gehört, niemand möchte sie über sich ergehen lassen – die Medizinisch-Psychologische Untersuchung, auch MPU genannt. Aber was steckt hinter der viel gefürchteten MPU? Was ist das konkret? Wir klären auf.

MPU – die Fahrtauglichkeitsprüfung

Früher durften diejenigen zum „Idiotentest“ antreten, die nach mehrmaligen Versuchen die Führerschein-Prüfung nicht bestanden hatten. Die Zeiten sind jedoch längst vorbei. Vereinfacht formuliert dient die Medizinisch-Psychologische Untersuchung folgendem Zweck: Es geht darum, zu überprüfen, ob jemand fahrtauglich ist – oder nicht. Daher überrascht es wenig, dass die MPU häufig dann verlangt wird, wenn der Führerschein weg ist – und es darum geht, diesen zurück zu erlangen.

  • Bei der MPU geht es um nichts anderes als um eine „Begutachtung der Fahreignung“ (das ist übrigens die gesetzliche Bezeichnung aus dem Straßenverkehrsgesetz).
  • Es geht also darum herauszufinden, ob jemand in der Lage ist, am Straßenverkehr teilzunehmen – ohne sich und die anderen Verkehrsteilnehmer zu gefährden.

MPU: Darum geht es!

Auch wenn es sich anders anfühlen mag: Die angeordnete Medizinisch-Psychologische Untersuchung ist nicht als Strafe gedacht. Denn im Grunde geht es darum, „Verkehrsauffälligen“ eine Chance zu geben, sich mit ihrem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. Somit bietet der „Idiotentest“ die Möglichkeit, den Führerschein zu behalten bzw. zurückzubekommen, nachdem man extrem negativ aufgefallen ist. Doch was führt eigentlich zur Anordnung einer solchen Untersuchung? Das verraten wir Dir jetzt! Kleiner Spoiler: Wie Du es wahrscheinlich bereits ahnst, lautet das Stichwort hier: schwere Gefährdung des Straßenverkehrs.

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung: Gründe kennen und verstehen

Warum muss man zur MPU? Schon mal vorweggenommen: Zur MPU muss niemand antanzen, wenn es keine triftigen Gründe dafür gibt. Laut einer statista-Umfrage mussten 86.177 Personen im Jahr 2019 eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung absolvieren. In den Jahren zuvor waren die Zahlen teilweise noch deutlich höher: 2003 wurden 110.776 Idiotentests durchgeführt. Also: Warum mussten so viele zur MPU? Die Gründe sind verschieden. Und wir verraten Dir direkt, welche die häufigsten Ursachen im Jahr 2019 in Deutschland waren.

MPU: Das waren die häufigsten Gründe im Jahr 2019

Laut einer weiteren statista-Umfrage war bei den meisten angeordneten MPUs im Jahr 2019 (in Deutschland) Alkohol (39 %) oder Drogen (31 %) im Spiel:

  • 25 % der Personen mussten den Idiotentest absolvieren, weil sie unter Alkoholeinfluss auffällig gefahren waren – erstmalig.
  • 10 % sind aufgrund von wiederholter Auffälligkeit (mit Alkohol) zur MPU gebeten worden.
  • 4 % haben den Idiotentest machen müssen, weil sie alkoholisiert Straftaten begangen hatten.
  • 31 % Personen hatten Drogen konsumiert oder Medikamente eingenommen, die sich auf die Fahrtüchtigkeit auswirkten.

Die folgende Grafik gibt Dir alle nützlichen Infos auf einen Blick: MPU-Häufigkeit in Deutschland, Gründe, MPU-Ablauf und -Bestandteile. Lies’ weiter, um noch mehr zu erfahren!

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Infografik zum Jahr 2019: MPU-Ablauf, Durchfallquote, MPU-Gründe – das sagen die Zahlen.

Und was ist mit den restlichen angeordneten Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen? Wir verraten es Dir sofort!

Wann muss man zur MPU?

Nun gehen wir der Sache genauer auf den Grund und erklären Dir, wer, wann (und warum) den „Idiotentest“ absolvieren muss.

MPU-Gründe: Absolute Fahruntüchtigkeit

Aua. Das tut weh. Du wurdest nicht „nur“ mit Alkohol am Steuer erwischt, sondern hast auch wohl noch eine Grenze deutlich überschritten. In folgenden Fällen kannst Du sicher davon ausgehen, dass Du eine MPU vorzeigen musst – wenn Du Deinen Führerschein jemals wiedersehen willst:

  • Du bist „auffällig“ gefahren und es wurde Dir ein Alkoholwert von 1,6 Promille oder mehr nachgewiesen.
    • Ob mit dem Auto oder auf dem Fahrrad tut nichts zur Sache: Nun kommst Du um eine MPU nicht mehr herum.

Wichtig: Allgemein geht der Trend hin zur Verschärfung einer Null-Toleranz-Politik. Schon in der Vergangenheit schwankte die Toleranz gegenüber Alkohol am Steuer je nach Bundesland teilweise sehr. So setzte Bayern die Latte mit 1,1 Promille bereits niedriger. Nun soll es in ganz Deutschland in Zukunft möglich sein, ab 1,1 ‰ eine MPU anzuordnen – ob mit oder ohne Ausfallerscheinungen. Und übrigens: Wer mit 1,1 ‰ Auto fährt, begeht so oder so eine Straftat – auch wenn keine MPU angeordnet wird.

Verhaltensunauffällig trotz hohem Promillewert – auch hier droht eine MPU

Okay, Du hast Dir (ein weiteres Mal) nichts anmerken lassen, bist trotzdem in eine Verkehrskontrolle geraten. So ein Pech! Und nun hast Du das Ergebnis:

  • Du hast 1,1 ‰ (oder mehr intus) – obwohl die Polizisten nicht damit gerechnet hatten, denn Dein Fahrverhalten war absolut unauffällig.

Nun bist Du kurz davor zu sagen: „Ich kann doch viel vertragen, oder?“ – nix da! In dem Fall hast Du ganz schlechte Karten. Warum? Ganz einfach: Wenn Du mit diesem Promille-Wert keinerlei Ausfallerscheinungen zeigst, dann spricht einiges dafür, dass Du regelmäßig trinkst.

  • Da ein „normaler“ Mensch ab 1,1 ‰ als „absolut fahruntüchtig“ gilt, wird – logischerweise – von Alkoholabhängigkeit ausgegangen.
  • In dem Fall musst Du nicht nur zur MPU – Du kannst Dich schon darauf einstellen, sehr wahrscheinlich einen Abstinenznachweis vorzeigen zu müssen.
    • Denn nun musst Du beweisen, dass Du keinen Tropfen Alkohol mehr anrührst.
    • Ansonsten war’s das mit der Fahrerlaubnis!
Gut zu wissen: Der Abstinenz-Nachweis ist immer dann erforderlich, wenn davon ausgegangen wird, dass die betreffende Person nicht „kontrolliert“ trinken kann. In dem Fall gibt es nur dann eine Chance auf Zurückerteilung der Fahrerlaubnis, wenn keinerlei Alkohol mehr über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr getrunken wurde. Übrigens: Bei Drogenkonsum ist Kontrolle auch kein Kriterium mehr. Wer mit Drogen am Steuer erwischt wird, kommt um einen Abstinenz-Nachweis nicht umhin.

MPU-Grund: Relative Fahruntüchtigkeit

Relativ fahruntüchtig bedeutet, dass Du – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit vollem Einsatz am Straßenverkehr teilnehmen kannst. Das gilt zum Beispiel, wenn Du bestimmte Medikamente nimmst oder wenn Du ein Gläschen zu viel getrunken hast, ohne die böse Grenze 1,1 ‰ überschritten zu haben. Jedoch gibt es auch bei der relativen Fahruntüchtigkeit wenig Diskussionsbedarf. Auch hier droht Dir eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung, und zwar wenn Folgendes zutrifft:

  • Du wurdest mit Alkohol am Steuer (zwar unter 1,6 ‰ bzw. unter 1,1 ‰) erwischt – allerdings zum wiederholten Male
    • Auch hier steht Dir sehr bald der Idiotentest bevor.
    • Schließlich ist davon auszugehen, dass Du dies wohl öfters machst.
    • Somit wird Dir „Alkoholmissbrauch“ vorgeworfen.
  • Auch keine schöne Kombination: Ein Bierchen zu viel getrunken und Du baust einen Unfall.
    • Schon ab einem Promillewert von 0,3 begehst Du hiermit eine Straftat, wenn es zu einem schweren Unfall kommt.
    • Ab 1,1 ‰ wartet auch hier definitiv eine MPU auf Dich.
    • Bei darunterliegenden Werten ist es eine Ermessensfrage.
Gut zu wissen: Die Gefährdung des Straßenverkehrs ist eine Straftat, die im Strafgesetzbuch verankert ist (StGB § 315c). Und wer zum wiederholten Male den Straßenverkehr gefährdet bzw. einmalig völlig rücksichtslos oder unter Drogen- / Alkoholeinfluss seine Mitmenschen in Gefahr bringt – der muss zum Idiotentest. Warum? Ganz einfach: Weil er nun beweisen muss, dass er in Zukunft ein solches Verhalten nicht mehr an den Tag legen wird.
Noch ein Tipp: Auch wenn Du nicht direkt zur MPU musst – Alkohol am Steuer kann richtig teuer werden. Mehr dazu erfährst Du mit nur einem Klick. Du fragst Dich, wie es sich mit CBD und Autofahren verhält? Auch dazu haben wir einen interessanten Beitrag in petto!

MPU-Gründe: Körperliche oder geistige Mängel

Wie bereits gesagt: Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung zielt vordergründig darauf ab, die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten. Wenn also Gründe zur Annahme bestehen, dass jemand aufgrund seiner körperlichen oder geistigen Verfassung nicht in der Lage ist, sein Fahrzeug rücksichtsvoll und sicher zu führen – dann wird die Fahrerlaubnis in Frage gestellt. Daher überrascht es wenig, dass im Fall vorliegender körperlicher oder geistiger Mängel ebenfalls eine MPU angeordnet werden kann.

Gut zu wissen: Es kann bereits ausreichen, wenn jemand seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat. Rastet jemand völlig aus, verhält sich auffällig aggressiv (und das muss nicht unbedingt im Straßenverkehr geschehen sein), dann kann das ein Grund für den Idiotentest sein. Denn wer so aufbrausend reagiert und sich nicht unter Kontrolle hat, der stellt eine tatsächliche Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer dar.

MPU-Grund: Zu viele Punkte in Flensburg

Wenn Du die Obergrenze von 8 Punkten in Flensburg erreicht hast, wirst Du ebenfalls beweisen müssen, dass Du in Zukunft mehr Selbstbeherrschung an den Tag legen wirst. Und hierfür wirst Du die Medizinisch-Psychologische Untersuchung nicht vermeiden können. Übrigens: Es kann durchaus sein, dass Dir auch vor Erreichen der 8 Punkte eine MPU ans Herz gelegt wird. Warum? Weil Du zum Beispiel zum wiederholten Male viel zu schnell oder über Rot gefahren bist. In dem Fall musst Du das Verkehrsamt davon überzeugen, dass Du aus Deinen Fehlern gelernt hast und Dich in Zukunft anders verhalten wirst.

Wusstest Du das? Als „ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen“ gilt jede Person, die 8 Punkte in Flensburg erreicht – so steht es im Straßenverkehrsgesetz (StVG §4 (5) 3.). Und das bedeutet im Klartext: Die Fahrerlaubnis wird zurückgenommen – und ohne erfolgreich abgeschlossene MPU ist der Führerschein für immer weg.

Last but not least: MPU aufgrund weiterer Delikte

Nicht nur das, was Du auf den Straßen tust, sondern auch Dein allgemeines Verhalten spielt eine Rolle. Wer regelmäßig Drogen konsumiert oder schwere Straftaten mit hohem Gewaltpotenzial begeht, kann sich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung ans Land ziehen. Und zwar unabhängig davon, ob er oder sie am Steuer mit bzw. unter Drogen erwischt wird oder ob die Gewalttat sich im Straßenverkehr ereignet oder anderswo. Warum? Ganz einfach: Wer Drogen besitzt und konsumiert, wer schwerste Straftaten begeht, gilt als unberechenbar und somit nicht verkehrstauglich.

Übrigens: Im Grunde kommen diese MPU-Gründe den „körperlichen“ und „geistigen“ Mängeln sehr nahe. Denn: Wer auf Drogen ist, ist nicht ganz bei Sinnen. Wer seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat, kann auch nicht geistesgegenwärtig handeln. Oder?

Ganz schön viel Input… Folgende Grafik fasst die wichtigsten Ursachen für die Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung nochmals zusammen:

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MPU-Gründe: Das sind die Ursachen, die zur Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung führen!

Die Gründe zu verstehen ist eine Sache, den Idiotentest zu bestehen bzw. überstehen eine andere. Solltest Du in die unangenehme Lage gekommen sein, die MPU-Hürde bewältigen zu müssen – keine Panik! Im Folgenden zeigen wir Dir, wie die Untersuchung abläuft und wie Du Dich am besten darauf vorbereiten solltest. Los geht’s!

Medizinisch-Psychologische Untersuchung:
Antrag, Ablauf & Kosten

Auch für die MPU gilt es, bestimmte Schritte einzuhalten. Welche das sind, verraten wir Dir jetzt! Selbstverständlich erfährst Du auch gleich, welche Kosten voraussichtlich auf Dich zukommen werden. Bist Du bereit? Na dann machen wir direkt weiter!

Vom Antrag bis zum MPU-Gutachten: So läuft’s!

Du kannst nicht einfach spontan zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung erscheinen. Um diese in Anspruch nehmen zu dürfen, musst Du vorab folgende Schritte in die Wege leiten:

  • Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis stellen
    • Das erfolgt bei Deiner Führerscheinstelle.
    • Hier erfährst Du, ob Du zur MPU musst – oder nicht.
    • Du kommst um den Idiotentest nicht herum? Dann geht’s direkt weiter!
  • Begutachtungsstelle aussuchen
    • Auch hier hast Du die Qual der Wahl.
    • Du hast nicht nur das Recht, sondern bist sogar dazu verpflichtet, die Begutachtungsstelle selbst auszusuchen.
  • MPU beantragen
    • Hierfür füllst Du ein Formular aus.
    • Dort solltest Du unbedingt angeben, dass Du das MPU-Gutachten nach Hause zugeschickt bekommen möchtest.
    • So wirst Du im Falle eines negativen Gutachtens bei der Fahrerlaubnisbehörde nicht aktenkundig (sofern Du den dortigen Antrag zurückziehst).
  • Gewählte Begutachtungsstelle der Fahrerlaubnisbehörde mitteilen
Gut zu wissen: Anschließend setzt sich die Führerscheinstelle mit der von Dir ausgewählten Begutachtungsstelle in Verbindung. Es wird eine spezifische Frage formuliert, die nach erfolgter MPU im Rahmen eines Gutachtens beantwortet werden muss. Dabei ist die Frage genau auf Deinen Fall zugeschnitten. Diese zielt darauf ab herauszufinden, ob Deine starken Verkehrsauffälligkeiten in Zukunft verschwinden werden – oder nicht.

MPU-Kosten begleichen & MPU-Termin vereinbaren

Und so geht es dann weiter:

  • Kosten für das MPU-Gutachten begleichen
  • Termin mit der Begutachtungsstelle für die MPU vereinbaren
  • MPU-Gutachten nach Hause schicken lassen
    • Positives Gutachten bei der Fahrerlaubnisbehörde einreichen
    • Bei negativem Gutachten: Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis zurückziehen.

Diese Begutachtungsstellen kommen für die MPU in Frage

Logisch. Ein MPU-Gutachten kann nur jemand ausstellen, der sich mit der Materie auskennt. Daher ist es wenig überraschend, dass Du eine sogenannte „Begutachtungsstelle für Fahreignung“ (BfF) brauchst, die amtlich anerkannt ist.

Tipp: Der MPU-Ablauf (dazu kommen wir gleich) ist bei allen Begutachtungsstellen der gleiche. Wenn Du Dir unschlüssig bist, empfehlen wir Dir den Gang zu den dort jeweils angebotenen Info-Veranstaltungen.

Insgesamt umfasst die Liste der MPU-Begutachtungsstellen 16 Träger, die wir gerne für Dich hier auflisten:

  • DEKRA e.V.
  • Absolut Diagnostics Gesellschaft für berufs- & verkehrspsychologische Dienste GmbH
  • ProSecur GmbH
  • ASS-MPU Gesellschaft für Sicherheit im Straßenverkehr UG
  • TÜV NORD Mobilität GmbH & Co. KG
  • TÜV SÜD Life Service GmbH
  • TÜV Thüringen e. V.
  • ABV Gesellschaft für Angewandte Betriebspsychologie und Verkehrssicherheit GmbH
  • IBBK Institut für Beratung – Begutachtung – Kraftfahreignung GmbH
  • Universitätsklinikum Heidelberg – Institut für Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin
  • TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
  • AVUS Gesellschaft für Arbeits-, Verkehrs- und Umweltsicherheit GmbH
  • ias Aktiengesellschaft
  • BAD Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH
  • pima-mpu GmbH
  • MPUmax GmbH

MPU-Bestandteile: Diese Prüfungen kommen auf Dich zu

Eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung ist nicht ohne. Da es darum geht, Dich genauestens unter die Lupe zu nehmen, kommen verschiedene Aufgaben auf Dich zu. Dabei ziehen alle Idiotentests auf das Gleiche ab, und zwar herauszufinden, ob Du wieder fahrtauglich bist und es voraussichtlich auch in Zukunft bleiben wirst. Das Ganze dauert circa 3 bis 4 Stunden. Egal, für welche Begutachtungsstelle Du Dich entscheidest: Der MPU-Ablauf ist fast immer gleich – zumindest was die verschiedenen Bestandteile angeht. Die Reihenfolge und die Dauer der einzelnen Teile können je nach vorliegendem Fall abweichen:

  • Medizinischer Check
  • Leistungstest am PC
  • Psychologisches Gespräch
Gut zu wissen: Mittlerweile hast Du ein Anrecht darauf, eine Ton- und Video-Aufzeichnung des MPU-Ablaufs zu verlangen. Es kann sein, dass man Dir hierfür die Kosten in Rechnung stellt. Jedoch raten wir Dir definitiv dazu, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Denn so bist Du nicht der Willkür ausgesetzt und kannst den MPU-Ablauf (und das Ergebnis) nachvollziehbar machen.

MPU: So sieht der medizinische Check aus

Das steckt bereits in der Bezeichnung drin: Jede Medizinisch-Psychologische Untersuchung enthält einen medizinischen Part. Warum? Ganz einfach: Dein Gesundheitszustand kann sich erheblich auf Deine Fahrtüchtigkeit auswirken. Sei es aufgrund von Medikamenten oder aufgrund von Alkohol- oder Drogen-Missbrauch: Die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis setzt voraus, dass Du gewisse medizinische Kriterien erfüllst. Und wie läuft der medizinische Check ab? Wir erklären es Dir:

  • Der untersuchende Arzt prüft auf die verkehrsrelevanten Erkrankungen, wie Alkohol- und Drogenmissbrauch bzw. -abhängigkeit.
  • Er führt ein Einzelgespräch zur medizinischen Vorgeschichte und es kommt zu physischen Untersuchungen.
  • Eventuell werden labormedizinische Verfahren – wie zum Beispiel Blutabnahmen oder Drogenscreenings – angeordnet.
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Abstinenznachweis im Rahmen der MPU verlangt? Haaranalyse als wichtiger Bestandteil des Drogenscreenings.
Gut zu wissen: Bei Drogenscreenings werden am häufigsten Haaranalysen und bisweilen auch Urintests durchgeführt. Hierbei lassen sich Anzeichen von früherem Alkohol- bzw. Drogen-Konsum nachweisen (teilweise auch nach Monaten). Auch ein Blutbild zur Untersuchung der Leberwerte gehört zu jedem Alkoholscreening dazu. Allerdings ist Letzteres recht ungenau und kann lediglich die Ausstellung eines positiven (bzw. negativen) MPU-Gutachtens beeinflussen.

Keine MPU ohne psychologisches Gespräch

Grundlegend für die Wiederteilung der Fahrerlaubnis ist nicht nur, dass physische Beeinträchtigungen sicher ausgeschlossen werden. Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung ist auch dazu da auszuschließen, dass Du die Fehler aus der Vergangenheit in Zukunft wiederholst. Und genau hierfür ist das psychologische Gespräch da.

  • Ein Verkehrspsychologe versucht herauszufinden, ob der Betroffene sein Fehlverhalten einsieht – oder nicht.
  • Dabei geht es auch darum zu schauen, ob die persönlichen Ursachen für das Fehlverhalten demjenigen klar sind.
  • Außerdem dient dieser Teil der MPU dazu herauszufinden, ob der Verkehrssünder sich (inzwischen) der Konsequenzen seines Verhaltens bewusst geworden ist.
  • Dabei geht es auch um die Zukunft:
    • Es reicht nicht aus, den Psychologen davon zu überzeugen, dass Du die Konsequenzen der letzten Trunkenheitsfahrt verstanden hast.
    • Noch wichtiger ist es, dass Du Dein Verhalten so überdacht hast, dass etwas Vergleichbares in Zukunft sicher ausgeschlossen werden kann.
  • Dabei stehst Du in der Bringschuld:
    • Du musst in der Lage sein nachzuweisen, dass Du die neuen, verinnerlichten Verhaltensmaßnahmen seit mehr als einem halben Jahr auch tatsächlich „gelebt“ hast.
    • Denn das lässt darauf schließen, dass Du Dich auch in Zukunft beherrschen können wirst.
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Unumgänglicher Bestandteil der MPU: das psychologische Gespräch

Der Leistungstest am PC als wesentlicher Bestandteil der MPU

Bei dem sogenannten „leistungsdiagnostischen Teil“ wirst Du einem standardisierten Reaktionstest am Computer unterzogen. Warum das Ganze? Hier geht es hauptsächlich um die Beurteilung Deines Reaktionsvermögens. Aber auch Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit spielen eine große Rolle.

Gut zu wissen: Je nach Fragestellung der angeordneten MPU können die Leistungstests in Art und Umfang variieren. Schon mal vorab: Es ist schier unmöglich, die volle Punktzahl zu erreichen. Und solltest Du den Test nicht bestehen, keine Panik! Du kannst während einer Fahrverhaltensüberprüfung Deine Reaktionsgeschwindigkeit unter Beweis stellen – und den Leistungsteil am PC damit kompensieren.
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Auch der Leistungstest am PC gehört zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung dazu!

Soviel zu den MPU-Bestandteilen. Da Du am Tag der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung sicherlich nervös sein dürftest, haben wir noch ein paar Infos zum konkreten Ablauf – Anmeldung vor Ort, Bögen und mitzubringende Nachweise inklusive.

MPU-Ablauf: So läuft es konkret ab

Wenn der MPU-Stichtag gekommen ist, musst Du pünktlich zum vereinbarten Termin bei der Begutachtungsstelle erscheinen. Dann läuft es wie gehabt ab:

  • Unter Vorlage Deines Personalausweises meldest Du Dich dort an.
  • Daraufhin erhältst Du verschiedene Fragebögen, die Du bestmöglich ausfüllen solltest.
    • Einige Fragen kreisen um das Thema Führerschein.
    • Dann erwarten Dich Fragen zu Deinen persönlichen Verhältnissen.
    • Auch medizinische Aspekte sind mit von der Partie.
  • Der Verkehrspsychologe, der gleich mit Dir das Untersuchungsgespräch führen wird, schaut sich die Bögen genauer an.

Wichtig: Denk bitte dran am Tag der MPU alle Unterlagen mitzubringen, die Du brauchen wirst. Also: Sämtliche Unterlagen bezüglich der medizinischen und psychologischen Vorbereitung sollten vollständig sein. Was damit gemeint ist? Zum Beispiel Belege über eine erfolgte Therapie, Abstinenznachweise o. Ä. Diese musst Du dann – bei Bedarf – dem durchführenden Gutachter vorlegen.

MPU-Ablauf nicht gefährden: Das musst Du beachten

Da die Medizinisch-Psychologische Untersuchung kein einfacher Spaziergang ist, solltest Du am Stichtag einige Dinge beachten. Was genau? Das verraten wir Dir nun:

MPU pünktlich und ausgeschlafen antreten

  • Erscheine pünktlich zum Termin und rechne mit längeren Wartezeiten
    • Plane lieber etwas mehr Zeit für den Weg dorthin ein.
    • So vermeidest Du Stress und hinterlässt obendrein einen positiven ersten Eindruck.
    • Lass Dich von längeren Wartezeiten nicht aus dem Konzept bringen – das kommt vor!
  • Sorge dafür, dass Du an dem Tag ausgeschlafen bist.
    • Deine Konzentrationsfähigkeit wird gleich sehr gefragt sein!

Alkohol & Drogen sind am MPU-Stichtag tabu

  • Alkoholisiert oder auf Drogen erscheinen ist selbstverständlich völlig tabu.
    • Ansonsten hilft auch der beste Abstinenz-Nachweis nichts mehr.
    • Außerdem solltest Du an dem Tag klar denken sowie schnell und zielsicher reagieren können.

Wichtig: Auch bei krankheitsbedingter Medikamenteneinnahme solltest Du den untersuchenden Arzt vorab informieren. Halte hierfür die Beipackzettel bzw. entsprechende Atteste des behandelnden Arztes bereit.

Gut zu wissen: Gänzlich auf Alkohol verzichten musst Du vor der MPU nicht – außer wenn der „Idiotentest“ aufgrund von starkem Alkoholmissbrauch oder gar Alkoholabhängigkeit verlangt wurde. In dem Fall wirst Du um einen Abstinenznachweis nicht umhinkommen. Das gilt übrigens auch für Drogen – hier gibt es eine Null-Toleranz für jeglichen Konsum.

So beugst Du Unstimmigkeiten im MPU-Gutachten vor

  • Stimme einer Tonband- / Videoaufnahme zu.
    • So können im Nachgang auftretende Unstimmigkeiten über den Prüfungsverlauf schnell geklärt werden.
    • Falls nicht direkt angeboten, solltest Du selbst nach einer Möglichkeit der Aufzeichnung fragen. Das kommt Dir definitiv zugute!

Kooperation, Einsicht & Selbstreflexion in der MPU zeigen

Egal, wie unangenehm der Idiotentest sich anfüllt, verhalte Dich kooperativ – auch was Deine Einstellung zur laufenden Begutachtung angeht. Also:

  • Sei stets kooperativ!
  • Äußere auf gar keinen Fall Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Untersuchung.
  • Auch jegliche Vorwürfe gegen Polizei und Justiz sind absolut tabu.
  • Ein weiteres No-Go: Schiebe nicht die Schuld auf die anderen, um Dein eigenes Fehlverhalten zu rechtfertigen.
Noch ein Tipp: Bei vorhandenen sprachlichen Barrieren solltest Du unbedingt vorsorgen und einen angekündigten (und amtlich anerkannten) Dolmetscher hinzuziehen. Warum? Ganz einfach: Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung ist ziemlich tricky – hier solltest Du nicht nur sehr gut verstehen, was von Dir verlangt wird, sondern auch Dich unmissverständlich ausdrücken!
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Sprachbarrieren sollten der MPU nicht im Wege stehen!

Diese MPU-Kosten kommen auf Dich zu

Zuallererst: Wenn Du wissen möchtest, mit welchen Beträgen zu rechnen ist, solltest Du eines wissen. Es gibt Kosten, die mit der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung an sich direkt zusammenhängen (Anmeldung, Urin-Proben, Abstinenz-Nachweise usw.). Allerdings kommen noch die Vorbereitungskosten dazu, die in den gesetzlich vorgeschriebenen MPU-Kosten nicht inbegriffen sind. Je nach MPU-Fall können die tatsächlichen MPU-Kosten recht stark variieren – im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen, versteht sich. Außerdem musst Du bedenken, dass seit August 2018 eine Neuregelung der MPU-Gebühren beschlossen wurde. Seitdem steht es den Begutachtungsstellen frei, den Gebührensatz für das MPU-Gutachten frei zu wählen.

MPU-Kosten – das gilt seit August 2018

Wie gesagt: Seit dem 01.08.2018 gilt eine Neuregelung für die Gebühren, die für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung anfallen. Die entsprechende Verordnung ist seit 2019 auch rechtskräftig. Bislang wurde der Gebührensatz für die MPU nach der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr (GebOSt) gesetzlich festgesetzt. Nun können die Begutachtungsstellen den Gebührensatz für das Gutachten zur Fahreignung frei wählen.

Unser Tipp: Da jede Begutachtungsstelle die eigenen MPU-Kosten selbst festlegt, solltest Du unbedingt vorab die Preislisten vergleichen. So weißt Du von Anfang an, was in etwa auf Dich zukommen wird.

MPU-Kosten – ohne Vorbereitung und Abstinenznachweise

Die Kosten für eine angeordnete Medizinisch-Psychologische Untersuchung musst Du als Antragstellender selbst tragen. Dabei können die zu zahlenden Beiträge je nach Untersuchungsanlass und notwendiger MPU-Vorbereitung stark schwanken – zwischen 500 € bis zu 3.000 €. In manchen Fällen liegen die Gesamtkosten sogar bei bis zu 5.000 €… Dabei steigen die MPU-Kosten mit dem Aufwand, der mit einer spezifischen Untersuchung verbunden ist.

Warum? Ganz logisch: Es macht einen Unterschied, ob die MPU aufgrund von Drogenkonsum, Alkoholabhängigkeit oder „nur“ aufgrund von anderen wiederholten „kleineren“ Verkehrsdelikten, die nichts mit Drogen & Co. zu tun hatten. Und häufen sich die MPU-Gründe (Beispiel: Drogen + Alkohol + Straftat), musst Du dementsprechend tiefer in die Tasche greifen. Zur Orientierung kannst Du Dich an folgender Übersichtstabelle orientieren:
Grund für die angeordnete MPU MPU-Kosten
Alkoholauffälligkeit / Alkoholabhängigkeit / Alkoholmissbrauch Ab 400 € aufwärts
Alkohol + Straftat Ab circa 850 €
Drogen (ohne Drogenscreening) Ab circa 400 €
Geistige / Körperliche Mängel Ab circa 240 €

MPU-Kosten – samt Vorbereitungskosten und Abstinenz-Nachweis

Wenn Du noch die MPU-Vorbereitungskosten und eventuelle Abstinenz-Nachweise hinzurechnest, steigen die zu errichtenden MPU-Gebühren dementsprechend. Bei seriösen Anbietern belaufen sich diese zusätzlichen Kosten auf circa 1000–1500 €. Hinzu kommen noch die Kosten für spezifische Untersuchungen wie Haaranalysen oder Urinproben (circa 200 bis 600 Euro). Somit würden die Preise für die MPU – je nach Untersuchungsanlass – wie folgt ausfallen:

Grund für die angeordnete MPU MPU-Kosten Individuelle MPU-Vorbereitung Abstinenznachweis (Urinproben / Haaranalysen) Gesamtkosten
Alkoholauffälligkeit / Alkoholabhängigkeit / Alkoholmissbrauch Ab 400 € aufwärts Circa 1.000 bis 1.500 € Circa 200 bis 900 € 1.600–2.500 €
Alkohol + Straftat Ab circa 850 € Circa 1.000 bis 1.500 € Mindestens 600 € (bis 900 €) Mindestens 2.450–3.250 €
Drogen Ab circa 550 € Circa 1.000 bis 1.500 € Circa 200 bis 900 € 1.750–2.950 €
Geistige / Körperliche Mängel Ab circa 240 € Circa 1.000 bis 1.500 € 1.240–1.740 €
Tipp: Die MPU-Kosten sinken, wenn Du für die MPU-Vorbereitung einen Gruppenkurs wählst. In dem Fall liegen die anfallenden Gebühren (für den Vorbereitungskurs) zwischen 600 € bis 800 €.
Gut zu wissen: An der MPU kommst Du nicht vorbei – außer Du bist extrem geduldig und möchtest 10 Jahre auf Deine Fahrerlaubnis verzichten. Denn so lange dauert es, bis die angeforderte MPU verjährt. Wenn Du Pech hast, kann die Wartezeit noch deutlich länger ausfallen. Denn auch als Fußgänger nimmst Du am Straßenverkehr teil – wirst Du hierbei auffällig, verlängert sich die MPU-Verjährungsfrist um weitere 5 Jahre! Und komm jetzt bitte nicht auf die Idee, das MPU-Gutachten kaufen zu wollen – damit holst Du Dir nur den nächsten Ärger ein!
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Zur MPU-Beratung? Hier entlang, bitte!

Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestehen
– mit der richtigen Vorbereitung

Eine MPU wird nicht grundlos angeordnet. Dementsprechend hoch ist auch die Durchfallquote. Aber die gute Nachricht ist: Die Erfolgschance kannst Du deutlich erhöhen, indem Du Dich rechtzeitig auf die anstehende Untersuchung anständig vorbereitest.

MPU-Vorbereitung – DIY oder mit Profi-Unterstützung

Für die MPU-Vorbereitung stehen Dir zwei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Es gibt anerkannte Vorbereitungsstellen, die Dich in Deinem Reflexionsprozess begleiten und Dir dabei helfen, am MPU-Stichtag alle davon zu überzeugen, dass Du bedenkenlos die Fahrerlaubnis zurückerlangen kannst.
    • Hier kommen entweder MPU-Beratungsstellen oder MPU-Vorbereitungskurse in Frage.
  • Alternativ kannst Du die Vorbereitung selbst in die Hand nehmen – und durch Online-Recherche und Selbstreflexion die anstehende MPU vorbereiten.
    • Prinzipiell raten wir eher von dieser Variante ab.
    • Denn ohne professionelle Unterstützung stehen die Chancen auf ein positives MPU-Gutachten eher schlecht.

Tipp: Egal, wie verlockend manche Angebote sein mögen – eine Erfolgsgarantie gibt es nie! Daher solltest Du allen Vorbereitungsstellen mit Skepsis begegnen, die Dir ein positives MPU-Gutachten als ganz sicher in Aussicht stellen.

MPU-Vorbereitungsstellen: Ansprechpartner & Co.

Um Dir die Suche nach der passenden MPU-Vorbereitungsstelle zu erleichtern, haben wir nützliche Übersichten mit Verkehrspsychologen, Verkehrsrechtsanwälten, MPU-Beratungsstellen und Suchtberatungsstellen für Dich zusammengetragen. Mit einem Klick gelangst Du zur entsprechenden PDF-Datei:

Übersicht über Verkehrspsychologen

Übersicht Verkehrsrechtsanwälte

Übersicht über MPU-Beratungsstellen

Übersicht über Suchtberatungsstellen

MPU-Fragen: Typische Beispiele

Die MPU-Fragen dienen dazu herauszufinden, ob die Selbstüberschätzung und fehlende Verantwortung im Straßenverkehr definitiv der Vergangenheit angehören. Außerdem geht es auch darum, eventuelle Ursachen für das auffällige Fahrverhalten zu erkennen (wie Missbrauch, schwierige Familienverhältnisse usw.). Daher solltest Du gut vorbereitet in die Medizinisch-Psychologische Untersuchung gehen. Somit erhöhst Du die Chancen, sowohl in den eingangs ausgestellten Fragebögen als auch im psychologischen Gespräch überzeugende Antworten zu liefern.

Auch wenn die Fragen alles andere als Standard sind (schließlich kreist jede angeordnete MPU um eine ganz spezifische, auf Dich zugeschnittene Fragestellung), wollen wir Dir etwas auf die Sprünge helfen. Im Folgenden zählen wir Dir einige Beispielfragen auf:

Gut zu wissen: Die Fragen sind sehr vielfältig und betreffen nicht nur die eigene Person, sondern auch das Familienumfeld, den Freundeskreis und die Alltagsgestaltung. Schließlich möchte der Verkehrspsychologe herausfinden, ob Du Dich in einem stabilen Umfeld bewegst bzw. woher beispielsweise das beobachtete Suchtverhalten kommen könnte.

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung wurde aufgrund von Alkohol am Steuer angeordnet? Dann kannst Du mit ähnlichen Fragen wie den folgenden rechnen:

MPU_wegen_Alkohol_Abstinenznachweis_ATP
Medizinisch-Psychologische Untersuchung wegen Alkohol angeordnet? Dann ist jetzt Alkohol völlig tabu!

Typische MPU-Fragen bei Alkoholkonsum

  1. Warum haben Sie am besagten Tag Alkohol konsumiert?
  2. Warum sind Sie dann unter Einfluss von Alkohol ins Fahrzeug gestiegen? Haben Sie versucht eine Alternative, als die Fahrt unter Alkohol zu finden?
  3. Wie oft haben Sie unter Alkoholeinfluss ein Fahrzeug geführt, ohne dabei erwischt zu werden?
  4. Welche Menge an Alkohol haben Sie getrunken?
  5. Wann haben Sie zum ersten Mal Alkohol konsumiert?
  6. Tranken bzw. trinken Sie regelmäßig Alkohol?
  7. Mit wem, wann und in welchen Mengen haben Sie Alkohol getrunken?
  8. Trinken Sie aktuell Alkohol und in welcher Menge?
  9. Wann war das letzte Mal, dass Sie Alkohol konsumiert haben?
  10. Welche Gründe veranlassen Sie zum Konsum von Alkohol?
  11. In welcher Weise und mit welchen Mitteln versuchen Sie Ihr Verhalten in Bezug auf den Genuss von alkoholischen Getränken zu verändern?
  12. Wie werden Sie es schaffen, das aktuell angepasste Trinkverhalten beizubehalten?

Typische MPU-Fragen bei Drogenkonsum

Es waren Drogen im Spiel und Du musst deswegen zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung gehen? Dann kannst Du Dich auf Fragen einstellen – wie:

  1. Welche Art von Rauschmitteln haben Sie am Tattag zu sich genommen und in welcher Menge?
  2. Warum sind Sie unter Einfluss von Drogen in ein Fahrzeug gestiegen?
  3. Welche speziellen Situationen haben Sie dazu veranlasst, die Drogen zu nehmen?
  4. Konsumieren Sie regelmäßig Drogen?
  5. Wann sind Sie das allererste Mal mit Rauschmitteln in Kontakt gekommen und was hat das veranlasst?
  6. In welcher Art und Weise hat sich Ihr Drogenkonsum verändert? Wie fühlen Sie sich und wie kommen Sie mit der Veränderung zurecht?
  7. Wie hat sich die Veränderung auf Ihr Umfeld ausgewirkt? Wie haben Familie und Freunde auf diese Veränderung reagiert?
  8. Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit bzw. das Risiko ein, in Zukunft erneut zu den Drogen zu greifen?
  9. Würden Sie erneut ein Kraftfahrzeug unter Drogeneinfluss führen? Mit welchen Maßnahmen würden Sie versuchen, dies zu verhindern?
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Bei Drogen-Konsum am Steuer ist die MPU vorprogrammiert!

Typische MPU-Fragen bei Punkten oder Straftaten

Ist ein erschöpftes Punkte-Kontingent oder bilden Straftaten die Ursache für die angeordnete MPU – dann werden die Fragen dementsprechend anders geartet sein:

  1. Welcher Verstoß/welche Straftat wird Ihnen zur Last gelegt?
  2. Wie viele Verstöße/Straftaten haben Sie begangen?
  3. In welchem zeitlichen Abstand haben Sie diese begangen (genaue Zeitpunkte)?
  4. Wie kam es dazu, dass sich die Verstöße ansammeln konnten?
  5. Beschreiben Sie genau, wie Sie sich bei diesen Verstößen gefühlt haben.
  6. Welche Folgen hätten Ihre Taten noch haben können?
  7. Wie schätzen Sie sich selbst als Fahrer ein (damals im Vergleich zu heute)?
  8. Wie war Ihre Gefühlslage zu Beginn der Fahrt und wie zum Zeitpunkt des Verstoßes?
  9. Ändert sich Ihr Gemütszustand oft im Verlauf einer Fahrt? Oder schätzen Sie sich selbst als ein beherrschter Fahrer ein?
  10. Warum haben Sie sich zum gegebenen Zeitpunkt so verhalten? Warum zeigte sich dieses Verhalten wiederholt bei Ihnen?
  11. Welche Reaktionen haben Sie gezeigt, als Sie von der Polizei angehalten/geblitzt wurden?
  12. Wie haben Sie bei den ersten Bußgeldern und Verwarnungen reagiert?
  13. Haben Sie Ihr Fehlverhalten eingesehen und hatten Sie den Vorsatz, keine weiteren Punkte zu sammeln?
  14. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um weitere Punkte zu vermeiden? Wieso haben Sie diese Maßnahmen nicht eingehalten?
  15. Hängen diese Verstöße/Straftaten mit bestimmten Ereignissen in Ihrem Leben zusammen? Welche Art von Einflüssen bzw. Ereignisse wirken sich am meisten auf Ihr Verhalten aus?

Wichtig: Die Fragen, die in der verkehrspsychologischen Untersuchung gestellt werden, sind sehr spezifisch. Sie beziehen sich auch auf den Tattag, der die MPU nach sich gezogen hat. Dabei versucht der Verkehrspsychologe zu verstehen, wie es zum auffälligen Verhalten gekommen ist. Hier werden auch Deine Emotionen genauestens durchleuchtet.

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Emotionen nicht fest im Griff? Auch das kann zu einer MPU führen!

Im Folgenden findest Du ein paar hilfreiche Tipps, die Deiner Nervosität am MPU-Stichtag entgegenwirken dürften. Los geht’s!

Tipps zur Beantwortung der MPU-Fragen

Waren Drogen oder Alkohol im Spiel, solltest Du unbedingt Folgendes beachten:

  • Spreche niemals von einem „Ausrutscher“, da eine solche Antworte als „Lüge“ bzw. als mangelnde Selbstreflexion gewertet werden dürfte.
  • Außerdem solltest Du Dich mit den Promillezahlen bzw. -grenzen und deren Auswirkungen auskennen.
    • Damit zeigst Du, dass Du Dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast.
    • Und das wirkt sich wiederum positiv auf das MPU-Ergebnis aus.
  • Liefere keine vorgefertigten Antworten, sondern versuche immer authentisch zu wirken und auf die gestellten Fragen bedacht einzugehen.
Tipp: Wer die Medizinisch-Psychologische Untersuchung bestehen will, sollte keine Beispielfragen und deren Antworten einstudieren und einfach nur aufsagen. Denn die MPU soll belegen, dass eine Reflexion des eigenen Verhaltens tatsächlich stattgefunden hat. Dafür ist es umso wichtiger, dass die Antworten nicht vorgefertigt klingen. Auswendig gelernte Antworten können unter Umständen zu einem negativen MPU-Gutachten führen.

Nun haben wir noch eine Liste mit den größten Fehlern zusammengestellt, die Du während der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung unbedingt vermeiden solltest. Lies’ weiter, um zu erfahren, in welche Fallen Du möglichst nicht tappen solltest.

MPU-Fehler: Das sind die absoluten No-Gos!

Um Deine Aussichten auf ein positives MPU-Gutachten nicht zu trüben, solltest Du folgende Fehler unbedingt vermeiden:

  • Selbstvorwürfe und Selbstmitleid sind gegenproduktiv!
    • Akzeptiere stattdessen so früh wie möglich die angeordnete Untersuchung.
    • Nimm von Anfang an individuelle und professionelle Beratung in Anspruch, um Deine Erfolgschancen zu erhöhen.
  • Auch die MPU als Bestrafung anzusehen ist alles andere als hilfreich.
    • Auch wenn es anfangs schwerfällt: Die MPU stellt eine Chance dar, problematische Verhaltensmuster zu erkennen – und zu verändern.
  • Den anderen die Schuld zu geben ist keine Option
    • Denn damit lenkst Du nur von Deinem eigenen Verhalten ab.
    • Und das spricht wiederum für mangelnde Selbstreflexion.
  • Unvorbereitet am MPU-Stichtag erscheinen solltest Du auf gar keinen Fall.
    • Den Weg kannst Du Dir ansonsten sparen – das negative MPU-Gutachten ist vorprogrammiert.
  • Schauspielern ist ebenfalls absolut tabu
    • Du hast es mit erfahrenen Ärzten und Verkehrspsychologen zu tun – täuschen wirst Du sie nicht können.
    • Auch hier sinken die Chancen auf ein positives MPU-Gutachten erheblich.
  • Lass Dich von Gerüchten im Netz nicht verunsichern
    • Stattdessen solltest Du Dich ordentlich auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung vorbereiten.
    • Alles andere bringt nur unnötigen Stress – und ist überhaupt nicht hilfreich.
  • Apropos Vorbereitung: Falle nicht auf betrügerische Kursangebote rein.
    • Wie bereits erwähnt: Finger weg von allen Kursangeboten, die eine Erfolgsgarantie versprechen!
    • Eine Bestehensgarantie kann Dir kein seriöser Anbieter geben.

Diese Antworten auf MPU-Fragen solltest Du vermeiden

Ob Schuldzuweisung oder Verharmlosung des Geschehens – folgende Antworten solltest Du Dir unbedingt verkneifen:

  • Ich habe nur an diesem besagten Tag zu viel getrunken!
  • Jemand hat mir etwas ins Glas getan.
  • Eigentlich trinke ich gar keinen Alkohol!
  • Ich bin hier, weil die Führerscheinstelle das von mir verlangt!
  • Es ist reine Willkür der Behörden!
  • Ich fahre 80.000 km pro Jahr. Es ist völlig logisch, dass ich mehr Punkte habe als andere!
  • Der Führerscheinverlust war schlimm, ich werde so etwas nie wieder tun!

In diesen Fällen kommt eine MPU-Nachschulung in Frage

Ist das Ergebnis der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung nicht eindeutig positiv oder hat die Fahrerlaubnisbehörde noch Zweifel an Deiner Fahreignung, dann kann es sein, dass Dir empfohlen wird, an einem Aufbauseminar teilzunehmen. In dem Fall hast Du die Möglichkeit, die letzten Zweifel auszuräumen, und Deinen Führerschein ohne eine erneute Teilnahme an einer MPU zurückzuerlangen.

Gut zu wissen: Auch wenn es nur nach einem Angebot klingt – ablehnen solltest Du dieses nicht. Warum? Ganz einfach: Entscheidest Du Dich gegen die vorgeschlagene MPU-Nachschulung, kannst Du stark davon ausgehen, dass das Gutachten negativ ausfallen wird.

MPU-Nachschulungskurse: Das erwartet Dich!

Aufbauseminare finden meistens in Gruppen statt. Hierbei geht es hauptsächlich darum, die Verkehrsregeln nochmals zu betonen, Verkehrsverstöße zu thematisieren und reflektieren. Außerdem dienen solche Nachschulungskurse dazu, Rückfällen vorzubeugen, indem das vergangene Verhalten bewusst gemacht und reflektiert wird.

Tipp: Nur Verkehrspsychologen sind dazu befähigt, solche Aufbauseminare zu leiten. Fahrschulen kommen hierfür also nicht in Frage.

Folgende Stellen sind von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) zugelassen:

  • AFN Gesellschaft für Ausbildung, Fortbildung und Nachschulung e.V.
  • DEKRA Akademie GmbH
  • Verkehrspsychologisches Institut IDRAS SYSTEMS UG (haftungsbeschränkt)
  • Impuls Institut für medizinisch-psychologische Unternehmensleistungen und Schulungen GmbH
  • Institut für Schulungsmaßnahmen GmbH
  • Nord-Kurs GmbH & Co. KG
  • TÜV SÜD Pluspunkt GmbH
  • TÜV Thüringen Anlagentechnik GmbH & Co. KG

Wichtig: Bei unentschuldigtem Fehlen muss der Kurs erneut bei der Führerscheinstelle beantragt werden. Eine Teilnahme unter Alkohol- oder Drogeneinfluss führt zum Ausschluss des Teilnehmers. Die Kosten der Nachschulung trägt der Betroffene selbst.

So, jetzt haben wir aber wirklich genug erzählt. Neugierig sind wir trotzdem weiterhin: Wie sieht es mit Dir aus? Musstest Du bereits eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung wahrnehmen? Oder steht Dir vielleicht eine bevor? Wir sind sehr gespannt auf Deinen Erfahrungsbericht!

Chris von ATP

BELIEBTE BEITRÄGE

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Aktuelle Kommentare

  1. Mein Freund will Führerschein bekommen aber er muss auch MPU-Test machen. Vielen Dank für diesen Beitrag und Ihre Beratung zu dieser Untersuchung. Danke für den Tipp, dieses Gutachten zu Hause und nicht zu der Behörde zu schicken.

    1. Guten Morgen Merlyn 🙂
      Bitte entschuldige die späte Antwort. Vielen Dank für Dein positives Feedback! Wir wünschen viel Erfolg bei der MPU und drücken die Daumen, dass Dein Freund seinen Führerschein wieder bekommt!
      Schöne Grüße
      Alex von ATP