29 Okt 2021 Autowissen
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Anzugsdrehmoment bei Schrauben: Das musst Du wissen!

Wusstest Du, dass moderne Fahrzeuge weitaus mehr als tausend Schrauben und Muttern beinhalten? Damit diese sicher halten, müssen sie festsitzen – aber eben auch nicht zu fest. Und hier kommt das Anzugsdrehmoment ins Spiel! Warum? Weil jede Schraube ein bestimmtes Anzugsdrehmoment verlangt. Was sich dahinter verbirgt, was Du zum Thema Drehmoment bei Autoreifen wissen musst und wie Du einen Drehmomentschlüssel richtig einstellen kannst – das erfährst Du hier. Bist Du bereit? Let’s go!

Anzugsdrehmoment: Das steckt dahinter

Ob Schraubenanzugsmoment, Anzugsdrehmoment oder Anziehdrehmoment – es gibt sehr verschiedene gängige Begriffe, die allesamt das Gleiche beschreiben. Also was ist mit dem sogenannten Anzugsdrehmoment gemeint? Eigentlich spricht die Bezeichnung an sich schon Bände:

  • Das Anzugsdrehmoment ist für Schrauben (und Muttern) gedacht.
  • Es hat etwas mit dem Festziehen der Schrauben zu tun.
  • Und dabei ist eine Drehbewegung im Spiel.

So weit, so gut. Aber was hat es mit diesem Anzugsmoment auf sich? Und wie wird es gemessen? Das verraten wir Dir direkt!

Jeder Schraube ihr Anzugsmoment

Keine Sorge. Mit jeder Schraube ist nicht jede einzelne Schraube gemeint. In dem Fall geht es um den Schraubentyp. Du kannst Dir unschwer vorstellen, dass die in Frage kommenden Schrauben begrenzt sind. Denn jede Schraube und jedes Gewinde entspricht festgelegten Maßen, die wiederum einem wohldefinierten Einsatzweck dienen. Das ist auch der Grund, warum die Anziehdrehmomente bei den Gewinden Deines Fahrzeugs herstellerspezifisch sind. Schließlich ist jedes Auto so aufgebaut, dass es möglichst perfekt – auf seine einzigartige mechanische Art und Weise – funktioniert. Und dafür sind nicht nur Schrauben und Muttern unterschiedlicher Größen verbaut – auch deren Materialien sind verschieden. Warum das wichtig ist? Ganz einfach:

  • Je nach Material gehören Schrauben einer unterschiedlichen Festigkeitsklasse an.
  • Und je nach Gewindegröße werden die Schrauben auch verschiedene Widerstandskräfte haben.
  • Somit überrascht es nicht, dass das Anzugsdrehmoment schraubenspezifisch ist.
Profi-Tipp: Die Festigkeitsklasse einer Schraube berücksichtigt zwei grundlegende Aspekte. Dabei geht es zum einen um die maximale Zugfestigkeit, zum anderen um die Streckgrenze. Beides gibt die Grenzen einer gegebenen Schraube an. Wird die vorgesehene Zugfestigkeit (zum Beispiel durch ein zu hohes Anzugsmoment) überschritten, wird das Material überstrapaziert und es droht das regelrechte Schrauben-Aus. Ist die zugemutete Spannung zu hoch, wird die Elastizität der Schraube überspannt – und es droht nun eine Verformung des Materials.

Anziehdrehmoment in Newtonmeter

Um der Festigkeitsklasse jeder Schraube gerecht zu werden, müssen genaue Angaben her, die das erforderliche Anzugsdrehmoment klar definieren. Als Maßeinheit verwendet man hierfür Newtonmeter – mit der gängigen Abkürzung Nm. Und was steckt dahinter? Eine etablierte Formel, die die erzeugte Kraft misst, die freigesetzt wird, wenn ein 1 Meter-langer Hebelarm (zum Beispiel das Griffstück Deines Drehmomentschlüssels) die Schraube festdreht.

Gut zu wissen: Die physikalischen Details ersparen wir Dir gerne. Nur eins könnte Dich durchaus noch interessieren: Die Maßeinheit Newtonmeter kombiniert zwei Dir sicherlich bereits bekannte Einheiten. „Newton“ ist die Einheit zur Messung der beteiligten Kraft. In Newtonmeter wird sie mit der Maßeinheit „Meter“ kombiniert, die noch die Länge des beteiligten Hebels ins Spiel bringt, der zum Festziehen der Schrauben benutzt wird.
Profi-Tipp: Die Angaben in Newtonmeter für das Anzugsmoment von Schrauben variieren je nach Fahrzeugtyp stark. Allgemein gilt: Je höher der Nm-Wert, desto resistenter die Schraube. Mit anderen Worten: Eine Schraube, die einer besonders robusten Festigkeitsklasse angehört, wird ein höheres Drehmoment verlangen.

Drehmoment bei Autoreifen: Darauf kommt es an!

Spätestens dann, wenn Du die Reifen wechseln möchtest, wirst Du Dir die Frage stellen müssen: Welches Drehmoment soll ich bei Autoreifen einstellen? Dabei musst Du nicht nur an das richtige Anzugsmoment für die Radmuttern denken – auch für die Felgen musst Du unbedingt das vorgesehene Drehmoment einstellen. Wie das geht, das verraten wir Dir gleich. Zuerst möchten wir Dir noch kurz erklären, warum es so wichtig ist, dass Du Dich strikt an die Herstellervorgaben hältst.

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Denk unbedingt daran, das richtige Drehmoment für die Autoreifen Deines Autos zu wählen!

Das hat es mit dem Drehmoment bei Autoreifen auf sich

Du kannst Dir unschwer vorstellen, dass die Reifen zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen Deines Fahrzeugs zählen. Aber was nützen Dir die besten Reifen mit tipptopp eingestelltem Reifendruck, wenn die Räder während der Fahrt wackelig werden bzw. sich sogar vielleicht ganz vom Fahrzeug lösen? Stimmt etwas mit dem Drehmoment der Radmuttern bzw. Radschrauben nicht, kann dieses Horrorszenario tatsächlich eintreffen. Warum? Vereinfacht gesagt:

  • Die Hersteller definieren das benötigte Drehmoment bei Autorädern so, dass die Radmuttern den spezifischen mechanischen Bedingungen stets gewachsen sind.
  • Ist das Anzugsmoment zu schwach, können sich die Muttern bzw. Radschrauben lösen – was schlimmstenfalls zum Verlust des Rades führen kann.
  • Wenn das Drehmoment zu stark ist, sieht es nicht besser aus – in dem Fall ist der Druck auf die Radnabe zu stark und es drohen folgenschwere Materialschäden.
    • In dem Fall könnte zum Beispiel auch die anliegende Bremsscheibe verzogen werden.
Gut zu wissen: Die Radmuttern bzw. Radschrauben müssen einiges aushalten können. Denn während der Fahrt sind nicht nur starke Bewegungskräfte im Spiel – auch die Hitze stellt die Muttern bzw. Radschrauben ganz schön auf die Probe. Hinzu kommen noch die wiederkehrenden Stöße sowie – ganz wichtig – das Gewicht des Fahrzeugs selbst.

Anzugsdrehmoment: Alufelgen vs. Stahlfelgen

Wenn Du Dir schon Gedanken über das richtige Drehmoment bei Autorädern machst, dürftest Du auch direkt die nächste Frage haben: Mit wieviel Newtonmeter solltest Du die Alufelgen anziehen? Und welches Anzugsdrehmoment ist bei Stahlfelgen zu wählen? Auch hier lautet die Antwort ganz klar: Es kommt nicht aufs Material an, sondern auf das, was der Hersteller vorgibt. Das richtige Drehmoment für Alufelgen oder Stahlfelgen hängt weniger vom Material ab als von den fahrzeugspezifischen Anforderungen Deines Fahrzeugs laut Herstellerangaben – sowie von der Anzahl der beteiligten Radschrauben. Im Klartext:

  • Ob Stahlfelgen oder Alufelgen – für das Drehmoment ist das Material Deiner Felgen irrelevant.
  • Eine wichtige Rolle spielt hingegen die Anzahl der Schrauben zur Befestigung der Felge.
  • Aber auch die fahrzeugspezifischen Anforderungen sind maßgeblich.

Aber woher weiß ich nun, welches Anzugsmoment der Hersteller vorgibt? Das verraten wir Dir sofort!

Anzugsdrehmoment herausfinden: Tabellen & Co.

Wie Du nun weißt, hängt das Anzugsmoment vom Schraubentyp ab und ist somit fahrzeugspezifisch. Daher können wir Dir leider nicht den absolut perfekten Anzugsdrehmoment-Allrounder geben – denn einen solchen gibt es logischerweise nicht. Eines können wir jedoch tun – und zwar Dich bei der Suche aktiv unterstützen. Also nochmal: Wo findest Du die Angaben, die Du brauchst? Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Im Benutzerhandbuch Deines Fahrzeugs sind die notwendigen Infos aufgeführt.
  • Bei neuen Schrauben bzw. Muttern, kann auch deren Verpackung Abhilfe schaffen.
  • Alternativ kannst Du eine Anzugsdrehmoments-Tabelle verwenden.

Anzugsdrehmoment: Tabelle

Den Blick in das Benutzerhandbuch können wir Dir nicht abnehmen. Und solltest Du noch die Schrauben-Verpackung zur Hand haben, dann hast Du auch schon bereits alle Infos, die Du brauchst. Wenn Du aber das Anzugsmoment anhand einer Tabelle herausfinden möchtest, haben wir etwas für Dich – und zwar die passende Übersicht, in der Du alle notwendigen Angaben findest. Mit nur einem Klick kannst Du folgender Anzugsdrehmoments-Tabelle von Hazet entnehmen, welches Drehmoment Du bei den Autorädern Deines Fahrzeugmodells einstellen musst:

Drehmomentschlüssel einstellen: So geht’s!

Jetzt weiß Du alles, was Du rund um das Thema Anzugsdrehmoment wissen musst – zumindest fast alles. Denn eine Info schulden wir Dir noch, und zwar: Wie kannst Du sichergehen, dass Du das benötigte Schraubenanzugsmoment auch wirklich erhältst? Hierfür musst Du Dir zunächst das passende Drehmoment-Werkzeug besorgen. Und wenn es Dir um einen Räder-Wechsel geht, wirst Du Dir eventuell noch Radschrauben und Radmuttern holen müssen. Zu guter Letzt musst Du noch das erzielte Anzugsmoment kennen.

Profi-Tipp N°1 von Meister Brian: Bei der Auswahl Deines Drehmomentschlüssels solltest Du nicht nur das angestrebte Anzugsmoment (in Newtonmeter), sondern auch die Präzision der Angaben im Blick behalten. Je nach Drehmomentschlüssel-Typ wirst Du mehr oder weniger präzise den Nm-Wert erreichen können. Im Allgemeinen gilt auch hier: Je präziser das Werkzeug, desto höher die Kosten.
Profi-Tipp N°2 von Meister Brian: Stelle vor dem Rad-Wechsel unbedingt sicher, dass Du die richtigen Radschrauben bzw. Radmuttern hast. Denn auch hier gibt es verschiedene Arten (z. B. Kugelbund- und Kegelbundschrauben bzw. -muttern). Diese solltest Du auf gar keinen Fall verwechseln – im schlimmsten Fall könnte eine solche Verwechslung die Felge schädigen und sogar dazu führen, dass sich das Rad löst. Übrigens: Oft unterscheiden sich die Schraubenarten zwischen Original- und Zubehörfelgen!
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Mit einem digitalen Drehmomentschlüssel kannst Du die Radmuttern und Radschrauben präzise anziehen!

Du hast alles, was Du brauchst? Sehr gut! Dann erklären wir Dir noch, wie Du den Drehmomentschlüssel einstellen kannst. Los geht’s!

Drehmomentschlüssel richtig einstellen

Manche mögen es bunt, andere möchten es Schwarz auf Weiß lesen. Wir haben beides für Dich: unsere wichtigen Tipps sowie ein Profi-Video von DC Motors mit detaillierter Schritt-für-Schritt-Anleitung. Wenn Du die folgenden Schritte befolgst, wirst Du ganz einfach den Drehmomentschlüssel einstellen können.

Tipp: Du kannst nicht alle Drehmomentschlüssel einstellen. Wenn Du Dir sehr einfaches Drehmoment-Werkzeug besorgst, musst Du notfalls in Kauf nehmen, dass Du den Mess-Schlüssel nicht einstellen kannst. Das ist sehr ungenau – und dementsprechend alles andere als ungefährlich.
  • Wenn der Drehmomentschlüssel über eine Schraube verriegelt ist, musst Du diese vorab lösen.
  • Danach stellst Du den Soll-Wert (in Newtonmeter) nach Herstellerangaben ein.
    • Hierfür drehst Du an dem hierfür vorgesehenen Griff.
    • Drehst Du diesen nach rechts, wirst Du einen höheren Nm-Wert am Drehmomentschlüssel einstellen.
    • Mit einer Drehung nach links, reduzierst Du hingegen den Nm-Wert.
  • Ist das Anzugsmoment richtig eingestellt, fixierst Du wieder die Konterschraube, damit der Nm-Wert stabil bleibt.
  • Fertig: Jetzt hast Du das Drehmoment eingestellt und kannst Deine Schrauben anziehen.
    • Je nach Werkzeug wirst Du ein entsprechendes Signal wahrnehmen, sobald der Ziel-Newtonmeter-Wert erreicht worden ist.
    • Wenn das Signal ertönt, solltest Du sofort aufhören und die Schrauben keinesfalls noch fester anziehen.
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Du solltest unbedingt den Drehmomentschlüssel richtig einstellen – nur so kannst Du die Schrauben nach Herstellervorgaben anziehen!
Profi-Tipp: Um den Drehmomentschlüssel richtig einzustellen, musst Du unbedingt Folgendes beachten: Im senkrechten Bereich musst Du den passenden Nm-Wert treffen. Zusätzlich musst Du aber noch die Zahlen im waagerechten Bereich des Griffs berücksichtigen. Zum Beispiel: Sind 70 Nm vorgeschrieben, musst Du unbedingt im senkrechten Bereich die 70er Linie präzise treffen. Im waagerechten Bereich muss die Null den senkrechten Mittelstrich treffen. Landest Du hier beispielsweise auf der 2, erhöhst Du den Wert auf 72 Newtonmeter.

Drehmomentschlüssel einstellen – wie ein Profi

Wir haben Dir ein Video versprochen und halten unser Wort: In folgendem Video bekommst Du eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung von DC Motors. Danach wirst Du sicherlich auch selbst den Drehmomentschlüssel richtig einstellen können:

So, nun bist Du aber an der Reihe: Hast Du schon mal Probleme gehabt, das richtige Anzugsdrehmoment zu treffen? Oder hast Du vielleicht sogar durch einen falsch eingestellten Drehmomentschlüssel schlechte Erfahrungen gemacht? Wir sind sehr gespannt auf Deinen Bericht!

Chris von ATP

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