Wildunfall: so verhältst Du Dich richtig! (Anleitung)

Jeder Autofahrer kennt diese Situation oder fürchtet sich davor: du fährst im Dunklen durch einen Wald und plötzlich passiert es! Ein Reh kreuzt deinen Weg! Und springt dir im schlimmsten Fall sogar ins Auto. Laut Wildunfallstatistik des Deutschen Jagdverbandes verendeten im Jagdjahr 2016/17 rund 228.500 Wildtiere auf Deutschlands Straßen. Das liegt auch daran, dass immer mehr Straßen durch den Lebensraum der Tiere, durch Wälder und entlang von Feldern, führen.  Zudem kommt es besonders in der dunklen Jahreszeit vermehrt zu solchen Unfällen. Wir sagen dir heute, wie du bei einem drohenden Wildunfall handeln solltest und was zu tun ist, wenn es tatsächlich zur Kollision kommt.

Das findest du in diesem Artikel:
Was passiert bei einem Wildunfall?
Wieso sind Wildunfälle so gefährlich?
So beugst Du einem Wildunfall vor
Wann und wo besteht ein erhöhtes Risiko?
Wann sind die Brunftzeiten der jeweiligen Tierarten?
Wie soll ich mich verhalten, wenn ich ein Tier am Straßenrand entdecke?
Wie reagieren, wenn die Kollision unvermeidbar ist?
Wie reagiere ich bei einer Kollision mit Kleintieren?
Was musst du nach einem Wildunfall tun?
Was solltest du noch beachten?
Zahlt die Versicherung bei einem Wildunfall?
Welche Autoteile werden am häufigsten bei einem Wildunfall beschädigt?

Was passiert bei einem Wildunfall?

Man spricht offiziell von einem Wildunfall, wenn es sich dabei um sogenanntes „Haarwild“ handelt. Dazu gehören zum Beispiel das Rot- und Schwarzwild, das Reh- und Damwild, aber auch Füchse und Luchse.
Unfälle mit Federwild (wie z.B. Fasane) oder mit Haus- und Nutztieren gehören hingegen nicht dazu.
Im Jahr 2017 war Wild auf der Fahrbahn in mehr als 2500 Fällen die Ursache von Unfällen mit Personenschaden auf Deutschlands Straßen.
Was bei einem Unfall mit Tieren und auch insbesondere bei einem Unfall mit Haustieren zu tun ist findest du in unseren anderen Blogartikeln.

Wieso sind Wildunfälle so gefährlich?

Je schneller das Fahrzeug ist, desto länger ist auch der Bremsweg. Schon ab 80km/h beträgt der Bremsweg bereits 60m. Bei 100km/h sind es schon 80m. Springt also ein Wildtier in 60m Entfernung auf die Straße, macht dies ein rechtzeitiges Bremsen mit 100km/h unmöglich. Die Aufprallgeschwindigkeit beträgt in diesem Fall 61,1 km/h.

Eine Aufprallgeschwindigkeit von 60 km/h führt zu einem deutlich erhöhten Aufprallgewicht. Das bedeutet, dass das Gewicht eines Wildtiers plötzlich dem Vielfachen seines tatsächlichen Gewichts entspricht. Somit wiegt ein Rothirsch plötzlich so viel wie ein Elefant (5 Tonnen), ein Wildschwein so viel wie ein Nashorn (3,5 Tonnen), ein Damhirsch so viel wie ein Nilpferd (2,5 Tonnen) und ein Rehbock so viel wie ein Büffel (0,8 Tonnen).

Zur Berechnung des Bremsweges und des Anhalteweges gibt es folgende Formeln:
Normaler Bremsweg (in m) ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x (Geschwindigkeit ÷ 10)
Bei Gefahrenbremsung (in m) ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x (Geschwindigkeit ÷ 10) ÷ 2
Anhalteweg (in m) = Bremsweg + Reaktionsweg

Die Reaktionszeit zwischen dem ersten (unbewussten) Sehen und der Einleitung der Maßnahme beträgt 0,18 Sekunden (180 Millisekunden). In diesem Zeitraum beträgt der Reaktionsweg bei 50km/h Geschwindigkeit ca. 2,5 Meter und bei 80 km/h Geschwindigkeit ca. 4 Meter.

Bremsweg und Anhalteweg beim Wildunfall

So beugst Du einem Wildunfall vor

Wann und wo besteht ein erhöhtes Risiko?

  • Auf bestimmten Pfaden, die für den regelmäßigen Wildwechsel bekannt sind. Diese sind in Deutschland im Normallfall durch entsprechende Warnschilder erkennbar. Siehst du ein solches Verkehrsschild, dann sofort den Fuß vom Gas nehmen, die Straßenränder im Blick behalten und immer bremsbereit sein.
  • Auf neuen Straßen, die durch Waldgebiete führen, weil hier das Wild noch seinen gewohnten Wechsel durchführt
  • An Straßenrändern allgemein, da diese häufig mit Futterpflanzen bewachsen sind, welche die Tiere in die Nähe der Fahrbahn locken
  • In der Morgen- und Abenddämmerung, da zu diesen Zeiten Wild häufig wechselt
  • Allgemein in der dunklen Jahreszeit, also Herbst und Winter
  • In Ausflugsgegenden, da hier oft Wild aufgescheucht wird
  • Zu unterschiedlichen Brunftzeiten der verschiedenen Wildarten

Wann sind die Paarungszeiten der jeweiligen Tierarten?

Wildtier Paarungszeit Beginn Paarungszeit Ende
Rehwild Juli August
Damwild Oktober November
Rotwild (Hirsch) September Oktober
Schwarzwild (Wildschwein) November Februar
Fuchs Januar Februar
Luchs März April
Waschbär Februar März
Dachs Juli August
Feldhase Januar August
Marder Juli August
Wildkatze Februar März
Marderhund Februar April

Achtung: Machst du Rast an oder in einem Waldgebiet, dann bleib unbedingt auf den ausgewiesenen Rastplätzen und Wegen, um das Wild nicht aufzuscheuchen und dadurch andere Kraftfahrer zu gefährden. Hunde sollten in Wald und Feld an der Leine geführt werden!

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich ein Tier am Straßenrand entdecke?

Geschwindigkeit reduzieren
den Fuß vom Gas nehmen, die Straßenränder im Blick behalten und immer bremsbereit sein.

Fernlicht ausschalten
Unbedingt das Fernlicht ausschalten. Das Spielen mit Lichthupe ist kontraproduktiv (Die Tiere verharren und bleiben meist reglos auf der Straße stehen oder verlieren die Orientierung und laufen dem Scheinwerferlicht entgegen.)

Hupe betätigen
Erblickst Du ein Tier solltest Du sofort Abbremsen und versuchen das Tier durch Hupen zu verscheuchen.

Vorsichtig bleiben
Da die Tiere meist nicht alleine unterwegs sind, solltest Du aufmerksam bleiben, ob noch mehr Tiere zu sehen sind

Wie reagieren, wenn die Kollision unvermeidbar ist?

Wildwechsel VerkehrsschildFalls Du das Tier zu spät entdeckt hast und es sich nicht mehr vertreiben lässt oder du zu schnell unterwegs warst und der Anhalteweg nicht mehr ausreicht, dann ist ein kontrollierter Aufprall die sicherste Lösung. Dabei solltest Du folgende Dinge beachten:

Lenkrad gerade halten und voll bremsen!

Den Impuls eines Ausweichmanövers unterdrücken.

Die Gefahr bei einem solchen Ausweichmanöver mit dem Gegenverkehr zu kollidieren oder die Kontrolle über das Auto zu verlieren ist groß. Die Kollision mit einem Baum ist schlimmer, als die mit einem Wildtier. Zudem ist es dennoch wahrscheinlich ein flüchtendes Tier bei einem solchen Manöver zu erwischen.

Wie reagiere ich bei einer Kollision mit Kleintieren?

So süß manche Kleintiere und Vögel auch sind, hier gilt leider: Verkehrssicherheit vor Kleintierleben. Deshalb hier auf keinen Fall ausweichen oder voll bremsen!
Kommt es in diesem Fall zum Auffahrunfall aufgrund einer Vollbremsung, dann trägt der Fahrer unter Umständen eine Mitschuld.
Anders ist es bei Motorradfahrern: Da der Zusammenprall mit einem Kleintier zum Sturz führen kann, sollte man hier unbedingt bremsen oder als routinierter Fahrer kontrolliert ausweichen.

Was musst du nach einem Wildunfall tun?

Ist es nun wirklich geschehen und du hast ein Wildtier erwischt, gibt es einige Punkte, wie du dich verhalten solltest:

Ruhe bewahren
Zunächst einmal solltest du nicht überstürzt den Unfallort verlassen. Wildunfälle zählen zwar nicht als Fahrerflucht, jedoch verstößt du beim Verlassen des Unfallortes gegen das Tierschutzgesetz, sollte das Tier noch am Leben sein.

Warnblinker einschalten und Unfallort absichern
Um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden, musst Du die Unfallstelle absichern. Das bedeutet: Warnblinker an und dich und die Unfallstelle absichern.

Polizei verständigen
Die Polizei nimmt schließlich den Unfall auf und benachrichtigt den zuständigen Jagdpächter, Landesbetrieb oder Grundeigentümer. Dieser wird sich um das verletzte oder tote Tier kümmern.
Du selbst solltest nicht versuchen, einem verletzten Wildtier zu helfen. Ein panisches Tier kann dir in Todesangst schlimmstenfalls auch Verletzungen zufügen. Außerdem könnte es Krankheiten haben, die für dich gefährlich werden können.

Bei Personenschaden: Erste Hilfe leisten
Hierfür solltest Du immer Deinen Erste-Hilfe-Koffer griffbereit haben.

Unfallort und Schäden am Fahrzeug dokumentieren
Für die Versicherung sollte man außerdem den Unfallort und die Schäden an deinem Fahrzeug zusätzlich fotografisch festhalten.

Wildunfallbescheinigung ausstellen lassen
Wildunfallbescheinigung
Für die Versicherung solltest du dir unbedingt eine Wildunfallbescheinigung ausstellen lassen!
Die Wildunfallbescheinigung wird vom Jagdpächter direkt am Unfallort auf Anfrage ausgestellt. Sie enthält beispielsweise Informationen zu Revier und Pächter, Unfallzeit und –Ort, persönliche Informationen zum Geschädigten, sowie detaillierte Informationen zum Unfallhergang und die Art der Beschädigung am Fahrzeug. Zusätzlich ist auch ein Feld enthalten, in dem eine Unfallskizze erstellt werden kann, um den Unfallhergang noch einmal genau darzustellen. Auch die Polizei kann eine solche Bescheinigung aushändigen.
Der ausstellende Jagdpächter oder Vertreter kann für die geforderte Bescheinigung eine Gebühr erheben. Die Aufwandsentschädigung beträgt in der Regel max. 15 Euro (Amtsgericht Weilburg, Aktenzeichen 5 C 364/95). Diese Gebühr kann von der Teilkasko-Versicherung aber im Nachhinein ebenfalls erstattet werden.

Tier ist geflüchtet
Konnte das verletzte Tier flüchten, dann unbedingt die Fluchtrichtung merken, aber nicht auf eigene Faust folgen! Der Jagdpächter wird sich darum kümmern. In diesem Fall kann keine Bescheinigung ausgestellt werden, deshalb ist es hier wichtig sich den Wildunfall von Zeugen (z.B. dem Beifahrer) schriftlich bestätigen zu lassen.

Finger weg von verletzten oder toten Tieren!
Verletzte oder tote Tier dürfen auf gar keinen Fall mitgenommen werden! Dies erfüllt nämlich den Strafbestand der Wilderei. Deshalb bitte wirklich nur den Fachmann ran lassen und Finger weg von angefahrenen Wildtieren!

Was solltest du noch beachten?

Abschleppdienst rufen:

Nachdem der Unfall von der Polizei aufgenommen wurde, kannst du selbst einen Abschleppdienst rufen oder das der Polizei überlassen. Diese kontaktiert oftmals den ADAC.
Wer zahlt?
In der Regel ist die Kfz-Haftpflichtversicherung nicht für das Abschleppen zuständig. Ob die Kaskoversicherung die Kosten übernimmt, hängt vom Tarif ab.
Auch bei Mitgliedern von Automobilclubs wie dem ADAC hängt der Anspruch auf einen Abschleppdienst von den Vertragsdetails ab. Bist du kein Mitglied, dann müssen die Kosten entweder von deiner Versicherung oder dir selbst übernommen werden!

Versicherung kontaktieren:

Nach einem Wildunfall gilt es umgehend die Versicherung zu kontaktieren. Am besten sollte die Schadensmeldung sofort erfolgen, spätestens jedoch innerhalb einer Woche. Bei Personenschäden mit schweren Verletzungen oder Tod muss ein Unfall sogar binnen 48h gemeldet werde.
Zahlt die Versicherung bei einem Wildunfall?
Werden Dritte bei einem Wildunfall geschädigt, dann zahlt in der Regel die Kfz-Haftpflichtversicherung. Sie kommt jedoch nicht für die Schäden am eigenen Fahrzeug auf. Hier benötigt man eine Teil– oder Vollkaskoversicherung.

Die Teilkaskoversicherung greift, wenn…

  • der Schaden eindeutig von einem Tier verursacht wurde (das gilt allerdings nicht bei Schäden, die durch Ausweichmanöver entstanden sind; Ausnahme: Verhindern eines noch größeren Schadens durch große Wildtiere)
  • das Tier vorher noch lebendig war
  • das Fahrzeug in Bewegung war
  • eine Wildunfallbescheinigung vorliegt

Die Vollkaskoversicherung greift, auch wenn…

  • ein Schaden durch ein Ausweichmanöver entstand (vollumfassender Schutz)
  • kein besonderer Nachweis vorliegt

Gutachten erstellen lassen:

In den meisten Fällen beauftragt die Versicherungsgesellschaft einen Gutachter, der das Unfallfahrzeug untersucht. Belasse deshalb eventuelle Unfallspuren am Fahrzeug bis die Untersuchung am Fahrzeug abgeschlossen ist.
Entsprechende Spuren, die auf einen Wildunfall hinweisen sind der Tierkörper/-kadaver sowie Überreste am Fahrzeug wie etwa Haare, Schweiß oder Federn. Eine vorschnelle Reparatur ist hier nicht ratsam!

Reparatur veranlassen:

Welche Werkstatt du für eine Reparatur wählst hängt ganz davon ab, ob du eine Versicherung mit Werkstattbindung abgeschlossen hast. Im Falle einer Werkstattbindung gibt die Versicherung die entsprechende Werkstatt im Schadensfall vor.

Leihwagen anfordern:

Generell übernimmt die Kfz-Versicherung die Kosten für einen Leihwagen nach einem Wildunfall nicht. Je nach Tarif der Kaskoversicherung kann es jedoch sein, dass eine solche Zusatzleistung enthalten ist. Hier solltest du deine Versicherungsunterlagen genau prüfen oder beim Versicherer nachfragen.

Welche Autoteile werden am häufigsten bei einem Wildunfall beschädigt?

Frontschaden am Auto nach Wildunfall

Da es sich bei Wildunfällen meist um Frontschäden handelt, sind die folgenden Ersatzteile des Fahrzeugs am häufigsten betroffen:

Stoßstange

Frontverkleidung

Kühlergrill

Scheinwerfer

Kennzeichenhalter

Starterbatterie

Hattest du auch schon einen Wildunfall? Schreib uns deine Erfahrungen in die Kommentare!



Aktuelle Kommentare

  1. Herbert Hänger sagt:

    Meine Fahrschule ist doch schon ein bisschen her, deswegen interessant die Info´s über den Anhalteweg etc. mal wieder aufgefrischt zu haben. Dnake ATP für den Beitrag.

  2. Manuel sagt:

    Ich danke Ihnen für den interessanten Beitrag. Die Gefahr eines Wildunfalls wird leider oft unterschätzt. Das kann sehr gefährlich ausgehen.
    Beste Grüße, Manuel

  3. Christian Darusk sagt:

    guter beitrag. ich persönlich habe auch schon Erfahrungen mit Wild gemacht. mir ist im Winter tatsächlich ein Reh ins Auto geloffen. Es ist wirklich verdammt wichtig, nicht panisch zu werden, sondern das Lenkrad einfach festhalten, hupen und Fernlicht ausschalten. Naja, Schaden ist echt groß, echt nicht schön. kann nur immer wieder sagen, fahrt vorsichtig

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