28 Jan 2022 Autowissen
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Injektor oder Einspritzdüse defekt: Symptome, Ursachen & Co.

Moderne Motoren mit Einspritzanlagen sind in der Dosierung der passenden Kraftstoffmenge um Welten genauer als die Vergaser von früher. Noch präziser sind Direkteinspritzungssysteme. Allerdings hat Präzision auch ihren Preis: So sind verkokte Ventile oder zugesetzte Injektoren bei solchen Systemen keine Seltenheit. Woran Du erkennen kannst, dass ein Injektor oder eine Einspritzdüse defekt sein könnte – inklusive Symptome, Ursachen und Profi-Tipps – das erfährst Du hier. Let’s go!

Einspritzventil vs. Einspritzdüse vs. Injektor – Unterschiede

Ohne Einspritzanlage, keine Einspritzventile, Einspritzdüsen oder Injektoren – logisch. Allerdings gibt es sehr verschiedene Einspritzanlagen. Je nachdem, ob Du einen Diesel oder Benziner fährst, wirst Du es mit ganz anderen Systemen zu tun haben. Jedoch gibt es eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass Du ein Diesel-Fahrzeug mit Direkteinspritzung hast, als dass Du einen Benziner dieses Kalibers besitzt.

Gut zu wissen: Fährst Du einen VW mit TSI-Motor ist bei Dir ein solcher direkteinspritzender Ottomotor mit Turbolader zugange. Übrigens: In einem anderen Beitrag zeigen wir Dir, wie sich ein Turbolader-Defekt bemerkbar macht. Auch exklusive Turbolader-Schadensbilder unserer Qualitätssicherung haben wir in petto – mit Interpretation durch unseren Autoteile-Profi Meister Brian, versteht sich.

Was ist der Unterschied zwischen einem Einspritzventil und einer Einspritzdüse?

Ob Einspritzventil oder Einspritzdüse – gemeint ist ein und dieselbe Sache, und zwar das Teil, das dem Motor die richtige Kraftstoffmenge zuführt. Allerdings gibt es durchaus Unterschiede:

  • Strenggenommen ist das Einspritzventil nur für Benziner gedacht.
  • Bei älteren Diesel-Fahrzeugen spricht man von „Einspritzdüse“ – statt Einspritzventil.
  • Jedoch wirst Du bei Benzinern mit Direkteinspritzung ebenfalls Einspritzdüsen vorfinden.

Und um das Ganze noch zu verkomplizieren, kommt eine dritte Bezeichnung hinzu, die den Einspritzdüsen und Einspritzventilen vielerorts Konkurrenz macht. Wovon die Rede ist? Genau! Die Injektoren sind hier gemeint.

Wusstest Du das? Bei Einspritzdüsen gibt es unvermeidbare Abweichungen, die laut Herstellern bis zu 15 % betragen können. Diese Unterschiede wirken sich auf die gespritzte Kraftstoffmenge aus und können somit auch Leistungsminderungen verursachen. Wer sein Auto tunen möchte, kann mit entsprechender Testung die Einspritzdüsen so matchen (lassen), dass möglichst gleich geartete Düsen in einem Motor zum Einsatz kommen. Reduzierst Du nämlich die Abweichung auf ein Minimum, holst Du das Beste aus Deinem Motor raus.
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Bei Diesel-Fahrzeugen mit Common-Rail-System sind Injektoren für die Einspritzung der passenden Kraftstoffmenge zuständig.

Was sind Injektoren?

Injektoren gibt es nur bei Diesel-Motoren. Damit sind ganz bestimmte Einspritzdüsen bzw. Einspritzventile bei modernen Diesel-Motoren gemeint. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die richtige Kraftstoffmenge für die Selbstzündung bereitzustellen. Handelt es sich um eine elektronisch gesteuerte Einspritzanlage mit Common-Rail-System (mit Rücklauf), ist „Injektor“ die einzig richtige Benennung. Bei älteren Diesel-Einspritzdüsen mit klassischem Pumpensystem ist die Bezeichnung Injektoren hingegen fehl am Platz. In dem Fall spricht man von Diesel-Einspritzdüsen bzw. Diesel-Einspritzventilen.

Gut zu wissen: Aufgrund der elektronischen Steuerung kommst Du nach einem Injektoren-Wechsel nicht drum rum: Damit der Mengenabgleich des Common-Rail-Systems reibungslos läuft, musst Du unbedingt die neuen Injektoren anlernen, und zwar mit der aktuellen Software und dem neuen Code. Tust Du das nicht, ist der nächste Injektoren-Defekt vorprogrammiert.

Injektor oder Einspritzventil defekt: Symptome

Wenn etwas mit den Einspritzdüsen nicht stimmt, macht es sich rasch bemerkbar. Je nach vorliegendem Problem wird ein defekter Injektor unterschiedliche Symptome aufweisen. Dabei können diese einzeln oder gebündelt auftreten. Welche Anzeichen auf eine undichte Einspritzdüse bzw. auf einen anderen Injektoren-Defekt hinweisen können – das verraten wir Dir jetzt!

Injektor oder Einspritzdüse defekt – Symptom Nr. 1: Abgasgeruch im Innenraum

Ist ein Injektor oder die Einspritzdüse undicht, fließt Kraftstoff raus. Je nach Ausmaß der vorliegenden Undichtigkeit kann es zur Bildung eines starken Abgasgeruchs im Innenraum führen. Warum? Weil der unverbrannte Kraftstoff schädliche Emissionen verursacht, die über den Luftfilter in die Fahrzeugkabine gelangen. Das ist übrigens alles andere als ungefährlich: Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit können die Folge sein.

Du kannst Dir unschwer vorstellen, dass austretender Kraftstoff mehr als nur Geruchsbelästigung im Innenraum verursacht. Was für Symptome noch in Frage kommen, das erfährst Du direkt!

Injektor oder Einspritzdüse defekt – Symptom Nr. 2: Leistungsabfall & Startprobleme

Wenn der Injektor undicht ist, kann er seiner Arbeit nicht richtig nachgehen. Das heißt: Es gelangt zu wenig Kraftstoff in den Motor – und Startschwierigkeiten und Leistungsminderungen sind die Folge. Insbesondere wenn Du stark beschleunigen willst, wirst Du rasch feststellen, dass der Motor nicht rund läuft und nicht die Power an den Tag legt, die Du gewohnt bist. Die schlechte Nachricht ist: Übersiehst Du den Einspritzventil-Defekt, wird der Leistungsabfall immer schlimmer. Warum? Weil verkokte Ventile irgendwann mal gar keinen Kraftstoff mehr durchlassen – und der Injektor fällt komplett aus. Und wenn alle Düsen hinüber sind, tritt das Worst-Case-Szenario ein: Das Auto springt gar nicht mehr an.

Profi-Tipp von Meister Brian: Wenn ein Injektor undicht ist, tritt Kraftstoff aus. Allerdings können verkokte Ventile noch mehr Folgeschäden verursachen – und den Zylinderkopf samt Dichtung angreifen. In dem Fall kann auch Motoröl austreten, was zu blauem Rauch führen kann – ähnlich wie bei einem Turbolader-Defekt. Wie Du eine Zylinderkopfdichtung wechseln kannst, das erfährst Du mit einem Klick!
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Verkokungen sind typisch für defekte Injektoren – meistens nach einem Einbaufehler.

Injektor oder Einspritzdüse defekt – Symptom Nr. 3: Verkokte Ventile & Co.

Wenn eine Einspritzdüse bzw. ein Injektor undicht ist, sind verkokte Ventile bekanntlich auch nicht weit. Tritt nämlich unverbrannter Kraftstoff aus, führt es notgedrungen dazu, dass die umliegenden Teile sich früher oder später aufgrund von Fett & Co. zusetzen. Und das kann der Autoteile-Profi mit einer Sichtprüfung unschwer erkennen: Verkokte Ventile geben ein unmissverständliches Schadensbild – mit schwarzen, fettigen Ablagerungen.

Wusstest Du das? Der Koks, den Du an der betreffenden Einspritzdüse siehst, hat natürlich nichts mit der bekannten Droge zu tun. Hiermit ist der Brennstoff gemeint, der durch die Verbrennung des ausgetretenen Kraftstoffs entsteht. Daher sind verkokte Ventile kohlenschwarz und nicht schneeweiß.
Profi-Tipp von Meister Brian: Je hartnäckiger der Koks, desto schwieriger wird es, die defekte Einspritzdüse auszubauen, ohne den festgebackenen Zylinderkopf dabei zu beschädigen. Stark verkokte Ventile können aber auch den Zylinderkopf angreifen und beschädigen – somit bringt auch der vorsichtigste Ausbau der Düse nichts mehr.

Injektor oder Einspritzdüse defekt – Symptom Nr. 4: Geräusche

Eine zugesetzte Einspritzdüse bzw. ein Injektor-Defekt können Geräusche wie Klopfen, Tackern, Pfeifen oder Zischen im Motorraum verursachen. Wie sich das anhört? Das kannst Du Dir in folgendem YouTube-Video anhören – am Beispiel eines Diesel-Mercedes W 204 mit eindeutig verkokten Injektoren:

Tipp: Das Geräusch hört sich bei Dir anders an? Vielleicht handelt es sich eher um ein Turbolader-Pfeifen. Mehr dazu erfährst Du mit nur einem Klick auf vorigen Link! Und wenn wir schon bei Geräuschen sind: Zum Thema Bremsen-Quietschen haben wir auch etwas in petto – inklusive Video, natürlich.

Injektor oder Einspritzdüse defekt – Symptom Nr. 6: Im Kombi-Instrument leuchtet’s

Ein Aufleuchten der Motorkontrollleuchte kann ebenfalls auf defekte Injektoren bzw. Einspritzdüsen hinweisen. Allerdings ist es nur eine Möglichkeit von vielen – in welchen anderen Fällen die Motorkontrollleuchte auch angehen kann, das erklären wir Dir in einem separaten Beitrag.

Einspritzdüse oder Injektor defekt: Ursachen

Kaputte Einspritzdüsen oder verkokte Injektoren gehen nur selten auf normalen Verschleiß zurück. Was sind also die häufigsten Übeltäter? Du ahnst es schon: Meistens stecken Einbaufehler dahinter. Je nach Motor (Diesel oder Benziner) kommen unterschiedliche Fehler in Frage:

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Einbaufehler und ein Injektor-Defekt können das Common-Rail-System zum Erliegen bringen.

Einbaufehler führt zu Injektoren-Defekt

  • Erfolgt der Injektoren-Wechsel ohne fachgerecht durchgeführte Vorreinigung der anliegenden Teile, ist das Übel vorprogrammiert:
    • Ohne Vorab-Reinigung kann das neue Teil wortwörtlich nicht sauber anliegen.
    • Das Ergebnis: Der Injektor wird von vornherein nicht ganz dicht sein – und Kraftstoff wird austreten.
Noch ein Tipp: Bei undichten Einspritzdüsen bzw. Injektoren solltest Du Dir auch immer den Zustand des Dichtrings anschauen. Ist dieser durch Ablagerungen zugesetzt oder rissig, kann er nicht mehr sauber funktionieren. Das Ergebnis: Kraftstoff tritt aus – den Rest kannst Du Dir nun bestens vorstellen.
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Verkokte Injektoren mit Ablagerungen am Dichtring deuten auf einen Einbaufehler hin.
  • Auch nicht zu verharmlosen – das Anzugsdrehmoment:
    • Gehst Du nicht nach Herstellervorgaben vor, kannst Du unter anderem den Dichtring beschädigen.
    • Aber auch den Zylinderkopf kannst Du hiermit erwischen.
  • Bei Injektoren-Defekten kommt noch ein falsches Anlernen als Ursache in Frage.
    • Bei Common-Rail-Systemen kann ein falsches Anlernen – etwa durch die Verwendung einer veralteten Software verheerende Folgen haben.
    • Stimmt nämlich die elektronisch gesteuerte Einspritzmenge nicht, können die Injektoren zusetzen und verkoken.

Kaputte Einspritzventile & Einspritzdüsen als Folgeschäden

Nicht nur Einbaufehler können verheerende Folgen für Deinen Motor haben. Hast Du auf die Schnelle Motoröl mischen wollen, wirst Du dies bitter bereuen. Auch verunreinigter Kraftstoff ist für die Einspritzventile und Injektoren Gift. Warum? Ganz einfach:

  • Verunreinigter Kraftstoff führt notgedrungen zu einer unvollständigen Verbrennung.
  • Durch den unverbrannten Kraftstoff entstehen Rußpartikeln im Zylinderkopf.
  • Und das führt wiederum zu einem unerwünschten Widerstand, der die Einspritzdüse kaputt macht.
  • Das hinterlässt natürlich Spuren – wie zum Beispiel die Kratzer, die Du auf folgendem Bild siehst:
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Ist der Injektor / die Einspritzdüse defekt und sind Kratzspuren auf dem Gehäuse zu sehen? Hier steckt ein Einbaufehler dahinter!
  • Je nach Stärke des geleisteten Widerstands können die Materialschäden mehr oder minder stark ausfallen:
    • Auf folgendem Schadensbild siehst Du das Ausmaß des Injektoren-Defekts noch deutlicher:
Blogbild_mit_Kratzspuren_auf_Duesen-Gehaeuse_und_Duesennadel_ATP
Ein zerkratztes Düsen-Gehäuse, Materialschäden auf der Düsennadel – auch hier ist der Injektor defekt.
  • Hier ist nicht nur das Düsen-Gehäuse stark zerkratzt.
  • Auch die Düsennadel weist eindeutige Spuren auf.
Tipp: Ob Benzin oder Diesel – Du solltest verunreinigten Kraftstoff unbedingt vermeiden. Was Du beim Tanken beachten sollst? Das verraten wir Dir in einem separaten Beitrag!
Insider-Wissen von Meister Brian: Wird eine Einspritzdüse beanstandet, schaltet sich die Qualitätssicherung sofort ein. Anhand modernster Prüfverfahren werden die defekten Injektoren auf etwaige Materialfehler überprüft. Dabei ist es für unsere Autoteile-Profis ein Leichtes nachzuweisen, dass die Material-Auffälligkeiten auf einen unsauberen Einbau und nicht etwa auf einen Produktionsfehler zurückzuführen sind.

Einspritzdüsen oder Injektoren undicht? So kannst Du es prüfen!

Du erkennst obige Symptome, ahnst bereits, welche Ursachen dahinterstecken könnten und dennoch bist Du Dir unsicher: Sind die Düsen bzw. Injektoren wirklich undicht? Bzw. welche und wie viele sind tatsächlich betroffen? Bevor Du alle Injektoren wechselst und auf den Kosten sitzen bleibst, solltest Du lieber auf Nummer sicher gehen. Wie? Indem Du die Einspritzventile bzw. Einspritzdüsen prüfen lässt. Und wir erzählen Dir noch kurz und knackig, mit welchen Prüfgeräten das geht.

Common-Rail-Einspritzdüsen bzw. Injektoren prüfen – mit diesem Gerät

Für die Common-Rail-Prüfung gibt es spezifisches Werkzeug, das Du hierfür unbedingt in Deiner Schrauberwerkstatt haben solltest:

Tipp: Kraftstoff ist sehr umweltschädlich – daher solltest Du solche Flüssigkeiten ähnlich wie Altöl entsorgen. Ansonsten drohen Dir teure Bußgelder und Strafen.

Diesel-Einspritzdüsen prüfen und einstellen – mit passendem Gerät

Du hast kein Common-Rail-System? Kein Problem! Auch für Diesel-Einspritzdüsen ohne Common-Rail gibt es Prüfgeräte:

  • Mit dem Diesel-Einspritzdüsen-Prüf- und Einstellgerät von BGS kannst Du die Düsen prüfen.
    • Der höhere Preis (ab 264,99 €) liegt unter anderem daran, dass es nicht nur ein Prüf- sondern auch ein Einstellgerät zugleich ist.
    • So bist Du für den nächsten Einspritzdüsen-Wechsel bestens ausgestattet.

Einspritzdüse defekt? Folgeschäden bei Nicht-Handeln

Nun gibt es keinen Zweifel: Die Symptome sind da, die Ursachen liegen auf der Hand und auch das Testgerät hat den letzten Zweifel aus dem Raum geschafft: Die Injektoren bzw. Einspritzdüsen sind defekt. Einfach weiterzufahren und so zu tun, als ob nichts wäre, ist definitiv keine gute Idee! Warum? Ganz einfach: Weil Dir dann folgenschwere Folgeschäden drohen. Welche das sind? Das verraten wir Dir noch:

  • Starke Verkokungen führen dazu, dass Injektor und Zylinderkopf „festgebacken“ werden.
    • Das kann nicht nur den Zylinderkopf zerstören.
    • Auch der Zylinder kann dadurch kaputt gehen.

So, jetzt weißt Du alles, was Du rund um das Thema Injektoren-Defekt bzw. kaputte Einspritzdüsen oder Ventile wissen musst. Eines können wir Dir noch verraten: Zum Thema Einspritzdüsen Injektoren wechseln und einstellen werden wir bald einen separaten Beitrag veröffentlichen.

Nun wollen wir es aber wissen: Hattest Du schon Probleme mit den Einspritzdüsen oder den Injektoren? Welche Symptome sind bei Dir aufgetreten? Was war die Ursache? Wir sind sehr gespannt auf Deinen Kommentar!

Chris von ATP

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