28 Jul 2021 Autowissen
Herzdruckmassage

Herzdruckmassage: Richtiges Verhalten im Ernstfall

Wenn es bei einem Unfall zum Extremfall der Bewusstlosigkeit kommt, ist es sehr wichtig, dass sofort eine Herzdruckmassage durchgeführt wird. Aber was genau muss überhaupt getan werden? In diesem Beitrag erklären wir Dir alles, was Du über die Herzdruckmassage wissen musst. Bist Du bereit? Dann geht’s los!

Was ist eine Herzdruckmassage?

Es ist egal, ob es bei einem Autounfall so weit kommt oder auch im Alltag: Wenn eine Person durch einen Kreislaufkollaps zusammenbricht und das Bewusstsein verliert, musst Du schnell handeln. Eine Herzdruckmassage ist hier ausschlaggebend für das Überleben. Wenn Du einen Führerschein hast, kennst Du sie bereits. Es kann allerdings nie schaden, sein Wissen zum Thema Erste-Hilfe etwas aufzufrischen – das zeigt auch eine Umfrage von 2016 aus Österreich:

  • Ganze 45 % haben noch nie erste Hilfe geleistet.
  • Immerhin 44 % der Befragten haben den Notruf alarmiert.
  • Und gerade einmal 8 % haben Wiederbelebungsmaßnahmen angewandt.

Die Herzdruckmassage ist Teil der lebensrettenden Sofortmaßnahmen der Rettungskette. Mit der Herzmassage werden auf manuelle Weise der natürliche Herzschlag und die Atmung einer bewusstlosen Person wieder angeregt. Aber warum ist das denn so wichtig? Wir erklären es Dir:

Herzdruckmassage: Darum ist sie so wichtig

Wenn eine Person bewusstlos wird und die Atmung aussetzt, ist es äußerst wichtig, schnell zu handeln – und zwar deswegen:

  • Bereits nach wenigen Minuten ohne Sauerstoffversorgung sterben die ersten Gehirnzellen ab.
  • Greift man hier nicht rechtzeitig ein, kann es zu schweren Hirnschäden oder sogar zum Tod kommen.
  • Der ausgeübte Druck durch eine Herzmassage hält den Blutkreislauf aufrecht.
    • Dadurch wird sichergestellt, dass lebenswichtige Organe weiterhin mit Sauerstoff versorgt werden.
  • Deswegen ist im Falle einer Bewusstlosigkeit durch einen Kreislaufzusammenbruch schnelles Handeln gefragt.
Schon gewusst? Im Notfall solltest Du immer wenigstens den Notruf wählen. Ansonsten machst Du Dich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar. Du willst mehr dazu wissen? Klicke einfach auf den vorigen Link!
Herzdruckmassage_Hilfe_rufen
Notarzt rufen – der erste Schritt bei der Herzdruckmassage.

Wie Du im Notfall konkret handelst, erklären wir Dir jetzt. Bereit? Let’s go!

Vorbereitungen zur Reanimation

Wenn Du eine Person regungslos am Boden siehst, ist es wichtig, schnell und richtig zu reagieren. So gehst Du im Notfall vor:

  • Prüfen der Atmung/Reaktionen
  • Nach Hilfe rufen
  • Herzdruckmassage

Im Folgenden erklären wir Dir die einzelnen Schritte im Detail:

Prüfen der Atmung/Reaktionen

Um zu überprüfen, ob die Person auch wirklich bewusstlos ist und nicht nur eingeschlafen ist (so komisch es auch klingt), musst Du die Reaktion und Atmung der Person kontrollieren. Gehe dabei wie folgt vor:

  • Schaue, ob die Person reagiert, indem Du sie laut ansprichst und leicht an den Schultern rüttelst.
  • Die Atmung überprüfst Du so:
    • Lege Dein Ohr an Mund und Nase der Person und schaue dabei in Richtung des Brustkorbs.
    • Wenn Du dabei keinen Atem spürst und sich auch der Brustkorb nicht anhebt, wie er eigentlich sollte, wird es höchste Zeit!
Herzmassage_Atem_pruefen
Prüfe vor der Herzmassage die Atmung!

Als Nächstes solltest Du Hilfe rufen. Es klingt zwar banal, aber auch hier solltest Du einiges beachten. Was es zu beachten gibt? Das erklären wir Dir jetzt!

Nach Hilfe rufen

In so einem Extremfall ist es sehr hilfreich, nicht allein zu sein. Deswegen solltest Du unbedingt nach Hilfe rufen:

  • So kann sich einer um die bewusstlose Person kümmern, während der andere den Notruf absetzt.
  • Da die Herzdruckmassage sehr anstrengend ist, sollte man sich alle 2 Minuten abwechseln.

Wenn Du die einzige Person in der Umgebung bist, musst Du zuerst unbedingt den Notruf wählen, bevor Du weitere Schritte einleitest!

Übrigens: Auch dieser Einzelschritt ist Teil der Rettungskette. Wir haben auch Beiträge über weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen, wie zum Beispiel die stabile Seitenlage und Wundversorgung. Schau rein!

Sobald der Rettungsdienst unterwegs ist, musst Du die bewusstlose Person bis zum Eintreffen der Sanitäter betreuen. Hat die Atmung ausgesetzt, ist eine Herzdruckmassage lebensnotwendig. Wie das geht, erfährst Du sofort!

Herz-Lungen-Wiederbelebung: So geht’s

Die Herz-Lungen-Wiederbelebung besteht aus zwei Teilen: der Herzdruckmassage und der Beatmung. Damit Du auch im Extremfall weißt, wie Du richtig handelst, haben wir hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Dich:

Herzdruckmassage richtig anwenden

Begonnen wird mit der Herzmassage, damit das Blut manuell durch den Körper gepumpt wird und so die Organe mit Sauerstoff versorgt werden. Und so funktioniert’s:

  • Damit die Reanimation möglichst effektiv ist, sollte die betroffene Person auf dem Rücken und einem möglichst harten Untergrund liegen.
    • Stelle hierbei sicher, dass die Arme gestreckt sind.
  • Knie Dich neben die bewusstlose Person hin.
    • Am besten platzierst Du Dich auf Höhe des Brustkorbs – das vereinfacht die Herzmassage.
  • Als Nächstes platzierst Du einen Handballen auf dem unteren Drittel des Brustbeins und die andere Hand darüber.
    • Das ist so ziemlich die Mitte des kompletten Brustkorbs.
druckpunkt_herzdruckmassage
Der richtige Druckpunkt: Herzmassage mit weniger Risiko
  • Und nun fängst Du an zu massieren:
    • Drücke den Brustkorb ca. 5 cm (höchstens 6 cm) mit gestreckten Armen ein und entlaste dann wieder.
    • Achte hierbei darauf, dass Druck- und Entlastungsdauer gleich sind!
  • Das machst Du 30 mal mit einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute.
Tipp: Drücke zum Takt von dem Lied „Stayin alive“ von den Bee Gees. Das ist das perfekte Tempo für die Herzdruckmassage. „Ha Ha Ha… staying alive…“ – passend, oder?

Wenn Du Dich dazu in der Lage fühlst, solltest Du dann die Person beatmen. Wie das geht? Finde es im nächsten Abschnitt heraus!

Beatmung zur Reanimation

Nun kommen wir auch gleich zum zweiten Schritt – der Beatmung:

  • Mache die Atemwege frei, indem Du den Kopf der Person überstreckst.
    • Dazu neigst Du ihn nach hinten und hebst das Kinn gleichzeitig an.
  • Dann atmest Du ganz normal ein und bläst gleichmäßig in den Mund oder die Nase der bewusstlosen Person.

Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung gehst Du folgendermaßen vor:

  • Mit der Hand, die an der Stirn liegt, hältst Du die Nase an den weichen Stellen zu.
  • Anschließend legst Du Deine Lippen leicht auf den geöffneten Mund.
  • Jetzt atmest Du langsam wieder aus.

Wichtig: Laien sollten keine Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen. Falsch angewandt kann das nämlich zu Komplikationen führen.

Herzdruckmassage_Beatmung
Nach der Herzdruckmassage kommt die Beatmung, um die Lungenfunktion wieder anzuregen.

Und so geht die Mund-zu-Nase-Beatmung:

  • Hierbei hältst Du mit dem Daumen der Hand, die am Unterkiefer der betroffenen Person liegt, den Mund leicht zu.
    • Dadurch kann bei der Beatmung keine Luft entweichen und sie gelangt auch in die Lungen.
  • Dann legst Du den Mund um die Nase der anderen Person und atmest langsam aus.

Reanimation: Herzdruckmassage und Beatmung abwechseln

Diese zwei Schritte (Herzmassage und Beatmung) führst nun abwechselnd aus: 30 x drücken, 2 x beatmen. Die Reanimation erfolgt dann solange, bis die Person entweder bei Bewusstsein ist oder der Rettungsdienst eintrifft.

Schon gewusst? Laut einer schwedischen Studie von 2019 ist eine Beatmung bei der Wiederbelebung nicht unbedingt notwendig. In den meisten Fällen reicht also eine Herzdruckmassage aus, um Leben zu retten.

Jetzt weißt Du, wie die Reanimation bei Erwachsenen geht. Warum wir „Erwachsenen“ auch mit betonen? Na, weil es bei Kindern noch viel mehr zu beachten gibt – und dazu kommen wir jetzt!

Reanimation: Kind und Säugling wiederbeleben

Weil Kinder und vor allem Säuglinge einen viel kleineren Körper haben als Erwachsene, musst Du hier mehr beachten. Aber keine Sorge – auch das erklären wir Dir:

  • Bevor Du mit der eigentlichen Herzdruckmassage beginnst, solltest Du überprüfen, ob das Kind etwas verschluckt hat.
    • Das ist eine der häufigsten Ursachen für Atemstillstand bei Kindern.
  • Außerdem solltest die Kleidung so weit wie nötig entfernen.
  • Danach führst Du eine erneute Atemkontrolle durch.
    • Durch den Freigelegten Brustkorb, kannst Du jetzt besser erkennen, ob die Atmung wirklich ausgesetzt hat.
Reanimation_Kind
Vor der Herzmassage solltest Du das Kind so weit wie nötig entkleiden – das erleichtert die Atemkontrolle.

Soweit alles klar? Dann kommen wir zur Herzdruckmassage bei Kindern und Säuglingen:

Herzdruckmassage bei Kindern und Säuglingen

Bei Kleinkindern sieht es mit der Herzdruckmassage etwas anders aus als bei Erwachsenen:

  • Hier darfst Du nur höchstens 5 cm eindrücken!
    • Ansonsten kann es zu Schmerzen oder sogar Verletzungen kommen.

Noch mehr Vorsicht solltest Du bei Säuglingen walten lassen:

  • Anstatt die ganze Hand legst, Du nur zwei Fingerkuppen auf die Mitte des Brustkorbs.
  • Dann drückst Du circa ein Drittel bis ungefähr zur Hälfte ein (ungefähr 4 cm).

Wenn Du schon soweit bist, verläuft die restliche Herzmassage auch wie bei Erwachsenen:

  • Das machst Du nun wieder 30 x mit einer Frequenz von 100 bis 120 pro Minute.
  • Nach jeder Kompression entlastest Du das Brustbein wieder.
    • Verliere aber mit Deiner Hand oder den Fingern nicht den Kontakt!
  • Hierbei sollten die Dauer des Drückens und des Entlastens wieder jeweils gleich sein.

Wichtig: Aufgrund der erhöhten Gefahr von einer Verlegung der Atemwege durch Fremdkörper, wird bei Kindern und Säuglingen von einer Beatmung durch Laien abgeraten!

Herzdruckmassage_Kind
Bei Säuglingen gilt: Herzdruckmassage nur mit 2 Fingerkuppen durchführen!

Aber nicht nur bei Kindern und Säuglingen sind höhere Gefahren vorhanden. Falsch angewandt kann die Herzdruckmassage auch bei Erwachsenen Risiken aufweisen. Lies’ weiter und erfahre mehr!

Risiken einer Herzdruckmassage

Wenn Du bei der Herzmassage den Brustkorb zum Beispiel zu weit eindrückst, kann es dann zu folgenden Risiken kommen:

  • Du könntest der anderen Person die Rippen brechen.
  • Es kann aber auch zu inneren Verletzungen (beispielsweise Milzriss) kommen.
  • Wenn bei der Herzdruckmassage die Lunge verletzt wird, kann Luft oder auch Blut zwischen Lungen- und Rippenfell strömen.
    • Achtung: wenn es dazu kommt, ist es lebensgefährlich!

Wichtig: Führst Du bei einem Atemstillstand keine Herzdruckmassage durch, befindet sich die betroffene Person auch in Lebensgefahr. Trotz den Risiken ist es also besser, die Maßnahmen anzuwenden, als nichts zu tun!

Nun haben wir Dir aber genug erzählt. Wie schaut es denn bei Dir aus? Würdest Du Dir eine Herzdruckmassage zutrauen? Oder warst Du sogar schon einmal in so einer Notsituation und musstest sie anwenden? Berichte uns davon gerne in den Kommentaren!

Alex von ATP

5/5 - (3 votes)

BELIEBTE BEITRÄGE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.