Gaffer – da gibt’s nichts Gutes zu sagen!

Man meint, es inzwischen fast täglich in den Nachrichten zu hören. Wieder haben Gaffer bei einem Verkehrsunfall Einsatzkräfte behindert oder bedroht, keine Rettungsgasse gebildet, Unfallstellen fotografiert oder gar gefilmt, Staus und Folgeunfälle auf der Gegenfahrbahn verursacht, die Liste der Dreistigkeiten, die passieren, scheint endlos.

Traurige Wahrheit ist, dass Gaffer zu einem immer größeren Problem werden. Sie behindern Rettungskräfte und nehmen keinerlei Rücksicht im Angesicht menschlichen Leids. Tatsache ist zudem, dass Rettungskräfte inzwischen oftmals fast genauso viel mit dem Abschirmen einer Unfallstelle und Verscheuchen von Gaffern beschäftigt sind, wie mit dem Rettungseinsatz selbst.

Ab wann bin ich ein Gaffer?

Gaffer

Bin ich schon Gaffer, wenn gerade ein Unfall passiert ist und ich hingehe um nachzusehen, was passiert ist?

Kommt drauf an. Gehst du hin um die Lage zu erfassen, die notwendigen Rettungsleitstellen zu informieren, und Erste Hilfe zu leisten? Dann gaffst du nicht, sondern tust, was richtig und sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Erste Hilfe zu leisten ist nämlich keine Kür, sondern eine Pflicht. Wer zumutbare und erforderliche Erste Hilfe unterlässt, macht sich nach §323c strafbar, und kann mit einer Geldstrafe und Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr bestraft werden. Dabei ist Hilfe leisten gar nicht so kompliziert. Wir erklären dir, wie du richtig Erste Hilfe leisten kannst.

Wenn die Rettungskräfte eintreffen, räume ihnen bitte den nötigen Platz ein, hör auf ihre Anweisungen, und halte dich in entsprechender Nähe des Unfallortes auf, sollte die Polizei dich vernehmen bzw. deine Aussage aufnehmen wollen. Sobald das geschehen ist, verlasse bitte zügig aber mit Bedacht die Unfallstelle.

Wenn du allerdings hingehst, um zu filmen, zu fotografieren oder sonst wie dumm im Weg rumzustehen, dann gaffst du. Wenn du dann auch noch nölig wirst, dass du wegen des Ärzteteams, das gerade um ein Leben kämpft, nicht richtig sehen kannst was passiert, Herzlichen Glückwunsch. Wegen solchen Leuten verlieren viele den Glauben an die Menschheit.

Leider ist es für Polizei und Rettungskräfte oftmals schwierig, die Schaulustigen und Gaffer im Nachhinein ausfindig zu machen. Das Handeln der Schaulustigen müsste entsprechend dokumentiert werden, um vor Gericht Verwendung finden zu können. Im Moment des Unfalls haben die Rettungshelfer und Polizisten allerdings Besseres zu tun, als unerwünschte Gaffer zur Kasse zu bitten oder deren Personalien aufzunehmen.

Sharing von Unfallbildern in Sozialen Medien

Man möchte es kaum glauben, aber es gibt Gaffer, bei denen es mit einfachem zugucken nicht getan ist. Sie müssen Unfallsituationen und Opfer auch noch mit ihren Handys filmen und fotografieren. Besonders dreiste Zeitgenossen stellen diese Bilder und Filme auch noch ins Netz, z.B. auf YouTube, Facebook, oder ähnliches.
Wer sich so unterirdisch verhält, macht sich straf- und zivilrechtlich strafbar. Strafrechtlich nach §201 a Abs. 1 Nr. 3 des StGB, hier drohen eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

Persönlichkeitsrechtsverletzung durch Unfallbilder

Neben strafrechtlichen Konsequenzen drohen auch zivilrechtliche Folgen. Hier kommt §22 KUG – KUG steht für Kunsturhebergesetz – zum Greifen. Bilder von Unfallopfern sind eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild. Es ist grundsätzlich nicht erlaubt, ein Foto oder ähnliches einer anderen Person zu verbreiten oder öffentlich zur Schau zu stellen, wenn diese Person nicht eingewilligt hat.

Und es ist auch strafbar, wenn zwar das Gesicht nicht zu sehen ist, aber wenn z.B. Bekannte durch andere Details an der Person, dem Auto, etc. die Person erkennen können.

Aber damit ist es noch nicht getan. Postest du Bilder einer verunfallten Person, so kann diese neben den beiden eben genannten Konsequenzen auch noch zivilrechtliche Schritte einleiten, und dich auf Schmerzensgeld, Schadensersatz oder ähnliches verklagen.

Wenn du also an eine Unfallstelle kommst, und siehst, dass bereits Rettungskräfte vor Ort sind, dann fahre zügig weiter, werde auch nicht langsamer, oder bleib gar stehen. Dies führt auf Autobahnen zu Rückstau, eventuell Folgeunfällen durch Auffahren, und zu noch mehr Verkehrschaos, in dem vielleicht weitere Rettungskräfte kein Durchkommen mehr finden.

Sei froh und dankbar, dass du es nicht bist, der da in einem verunfallten Wrack oder auf der Straße liegt.

Bußgelder und Strafen für Gaffer:

Verstoß Art des Verstoßes Strafe
Gaffen Ordnungswidrigkeit Bußgeld von 20 bis 1000 Euro
Bilder von Unfallopfern anfertigen Straftat 2 Jahre Freiheitsstrafe / Geldstrafe
Bilder/ Videos von Unfallopfern anfertigen und Aufnahmen verbreiten Straftat 2 Jahre Freiheitsstrafe / Geldstrafe
Unterlassene Hilfeleistung Straftat 1 Jahr Freiheitsstrafe / Geldstrafe
Behinderung von Rettungskräften Straftat 1 Jahr Freiheitsstrafe / Geldstrafe

Ernüchternde Zahlen und ein Lichtblick

Bis August 2019 gab es in Deutschland 254.116 Verkehrsunfälle, bei denen fast 400.000 Menschen zu Schaden gekommen sind. Mehr als 3.000 davon sind leider nie mehr zu Hause angekommen. Und das war nur das Jahr 2019.

Ein kleiner Lichtblick zum Schluss bei diesen ernüchternden Zahlen: sie sind rückläufig.

Immer seltener verunglücken Menschen bei Verkehrsunfällen. So waren es 2012 noch 3.600 tödlich Verunglückte, aber dank moderner Sicherheitstechniken am Auto und dank des unermüdlichen Einsatzes unserer Rettungskräfte haben wir immer weniger Opfer zu beklagen. Auch die Politik wird aktiv und versucht mit härteren Gesetzen dem Gaffer-Trend entgegen zu wirken.

ATP möchte sich an dieser Stelle bei den mutigen Rettungshelfern, Seelsorgern, Ersthelfern, allen, die den Rettungskräften die Möglichkeit geben, ihren Job zu machen, und bei jedem, der mit anpackt, wenn Hilfe gebraucht wird, ganz herzlich bedanken!



Aktuelle Kommentare

  1. C. Heinrich sagt:

    Danke für diesen tollen Beitrag mit der sinnvollen Aussage: HELFEN UND NICHT GAFFEN!
    Da kann man wirklich nur mit den Kopf schütteln! In einer Notsituation lieber zu glotzen und Fotos zu machen und dabei auch noch Rettungskräfte behindern ist absolut das hinterletzte!
    Super wichtiges Thema und spannend und verständlich aufbereitet. Danke Sarah, für deinen tollen Beitrag! Da lese ich doch gerne weiter und freue michs chon auf die nächsten Posts.
    Grüße

    • Hallo,
      danke für dein positives Feedback. Ich gebe dir vollkommen Recht, mit dem was du sagst. Man möchte selbst nicht in eine solche Situation kommen, aber wenn es mal passieren sollte, ist man auf die schnelle Hilfe anderer angewiesen. Unbedingt helfen, anstatt Gaffen!
      Danke für deinen tollen Kommentar! Lass uns gerne noch öfter deine Meinung da.
      Beste Grüße,
      Sarah von ATP

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