2 Jun 2021 Autowissen
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Gaffer und Schaulustige – Wo Neugier endet und Gaffen beginnt!

Um das Leben von Verunglückten zu retten, zählt oft jede Minute. Je früher die Rettungskräfte am Einsatzort sind, desto größer ist die Chance die Opfer zu retten. Es ist nicht selten, dass es an Unfallstellen zu Tumulten kommt. Bei einem Unfallgeschehen sind verschiedene Einsatzkräfte wie Rettungswagen, Polizisten und teilweise schwerverletzte Unfallopfer vor Ort. Die Arbeit der Einsatzkräfte wird jedoch immer häufiger von Gaffern behindert und ausgebremst. Autofahrer bilden keine Rettungsgasse, fahren zu langsam oder bleiben gar stehen – Staus und Folgeunfälle sind hier keine Seltenheit. Durch einen Unfall nimmt die Sensationslust mancher Menschen die Oberhand, einige schrecken nicht einmal vor Foto- und Filmaufnahmen zurück. Mit welchen Strafen Gaffer rechnen müssen und wie Du Dich idealerweise Verhalten solltest – das erfährst Du hier.

Inhalt

  1. Gaffen oder doch nur Neugier?
  2. Gaffer an Unfallstellen – das sind die Zahlen
  3. Gaffer: Diese Strafen drohen
  4. Weshalb ist das Gaffen bei Unfällen so gefährlich?
  5. Wenn Gaffer Unfallbilder in sozialen Medien teilen…
  6. So verhältst Du Dich richtig an einem Unfallort!
  7. Das neue QR-Code Konzept gegen Gaffer!

Gaffen oder doch nur Neugier?

Die Neugier ist den Menschen angeboren, jedoch können manche Autofahrer nicht mehr zwischen Neugier und Gaffen unterscheiden. Also ist die Frage durchaus berechtigt: Was fällt unter Gaffen – und was nicht.

  • Wer einen Unfallort nur beobachtet oder Aufnahmen des Geschehens macht, wird als Gaffer bezeichnet.
  • Manche Schaulustige gehen sogar so weit, mit ihrem Smartphone die Einsatzkräfte oder Opfer zu fotografieren bzw. zu filmen.
  • Aber Vorsicht: Bereits das langsame Vorbeifahren an einer Unfallstelle, kann als Gaffen interpretiert werden.
Unser Tipp: Auch wenn die Schaulust Dich überkommt und Du wissen möchtest, was an einem Unfallort passiert ist, solltest Du Dich unbedingt zurückhalten. Warum? Ganz einfach: Gaffer gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Am besten fährst Du mit einem angemessenen aber zügigen Tempo vorbei und behältst Deinen Blick auf der Straße. Schließlich können auch auffällige Blicke auf Unfallopfer und Einsatzkräfte respektlos wirken. Versuche also Deine Neugier zu zügeln.

 

Gaffer an Unfallstellen – das sind die Zahlen

Zum Thema „Gaffen“ wurden einige Autofahrer befragt. Im Folgenden siehst Du das Resultat dieser statista-Umfrage.

  • Nur 13% der Befragten fahren weiter, ohne einen Blick auf das Unfallgeschehen zu werfen.
  • Die meisten Autofahrer schauen zwar kurz hin, aber fahren anschließend zügig weiter, dies betrifft rund 68%.
  • Insgesamt 11% der Personen werden kurz langsamer, um das Geschehen näher anzusehen.
  • Manche verlangsamen das Tempo deutlich und möchten den Unfall genauer sehen, dies trifft auf 6% der Autofahrer zu.
  • Wenige stoppen ihr Fahrzeug komplett, schießen aber kein Foto. Dennoch sind es rund 5%.
  • „Nur“ 0,6% stoppen und versuchen Aufnahmen des Unfallszenarios zu machen.

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Gaffer: Diese Strafen drohen

Das Gaffen kann entweder als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat gewertet werden. Dies hängt davon ab, ob Schaulustige die Rettungskräfte behindern oder Aufnahmen der Unfallstelle machen. Je nachdem, was die Folgen davon sind, fällt die Strafe mehr oder weniger hart aus (siehe Tabelle unten).

Gut zu wissen: Seit dem 1. Januar 2021 wird auch das Filmen oder Fotografien von Toten sanktioniert.

Das Verhängen von Strafen setzt allerdings voraus, dass die Gaffer ausfindig gemacht werden können. Das ist leider nicht immer der Fall, da häufig nicht genügend Einsatzkräfte vor Ort sind, um die Schaulustigen auf frischer Tat zu ertappen. Hinzu kommt, dass solche Strafverfahren teilweise aufgrund mangelnder Beweise eingestellt werden.

Im Folgenden zeigen wir Dir eine Übersicht der Strafen. Diese Informationen findest du auch im Bußgeldkatalog.

Verstoß Strafe
Gaffen Ordnungswidrigkeit: Bußgeld 20€–1000€
Seitenstreifen auf der Autobahn befahren – Behinderung der Rettungskräfte Bußgeld mind. 75€ und 1 Punkt in Flensburg
Auf dem Seitenstreifen der Autobahn parken – Behinderung der Rettungskräfte Bußgeld mind. 70€ und 1 Punkt in Flensburg
Unterlassene Hilfeleistung Straftat: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr
Aufnahmen eines Unfalls machen Straftat: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren
Aufnahmen von Unfalltoten Straftat: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren

Gaffen: Gegen diese Gesetze verstößt Du!

Je nach Situation verstößt das Gaffen gegen verschiedene Gesetze:

  • Solltest du vor Einsatzkräften am Unfallort sein und keine Hilfe leisten, sondern lieber Aufnahmen machen, dann zählt das ganz klar als unterlassene Hilfeleistung (§323c StGB).
  • Das Fotografieren und Filmen an einem Unfallort ist ein Straftatbestand des Persönlichkeitsrechts (§201a Abs. 1 StGB).

Weshalb ist das Gaffen bei Unfällen so gefährlich?

Gaffen ist nicht ohne Grund strafbar. Schaulustige stellen nämlich eine Gefahr dar – für die Einsatzkräfte und für den Straßenverkehr zugleich. Außerdem verstoßen Gaffer gegen grundlegende, im Grundgesetz verankerte Persönlichkeitsrechte:

  • Gaffer versperren den Rettungskräften den Weg und behindern sie bei ihrer Arbeit.
    • Den Krankenwagen und Polizisten wird der Weg durch parkende oder schleichende Autos versperrt.
    • Dadurch können die Einsatzkräfte oftmals nicht schnell genug am Unfallort eintreffen.
    • Im schlimmsten Fall kann dies sogar den Unfallopfern das Leben kosten.
  • Für den fließenden Verkehr stellen Gaffer ebenfalls eine hohe Gefahr dar, aber auch für sich selbst.
    • Es ist auch keine Seltenheit, dass daraus ein Stau resultiert.
    • Das Austeigen auf einer Autobahn ist sehr riskant und kann bei der Erfassung eines Autos lebensgefährlich sein.
    • Während Gaffer versuchen, mit ihrem Smartphone den Unfall zu filmen, verursachen sie nicht selten weitere Unfälle.
Wusstest Du das? Polizisten haben häufig den Druck, die Gaffer zu vertreiben oder festzunehmen. Helfer berichten auch immer wieder von aggressivem Verhalten, wenn sie Schaulustige auffordern zu gehen.

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Wenn Gaffer Unfallbilder in sozialen Medien teilen…

Man hört immer wieder Meldungen von unerlaubt veröffentlichen Unfallbildern und -videos in den sozialen Medien. Hiermit wären wir bei einem weiteren Aspekt des Gaffens:

  • Schaulustige behalten ihre Aufnahmen nicht immer für sich, sondern verbreiten sie anschließend in Facebook & Co.
  • Solche „Smartphone Gaffer“ müssen mit erheblichen Strafen rechnen – nicht selten auch mit entsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen.

Unfallbilder veröffentlichen: Was erlaubt ist – und was nicht

Grundsätzlich ist es rechtlich erlaubt, Unfallbilder zu veröffentlichen. Allerdings gilt das nur, wenn Du die Zustimmung dafür hast. Zudem dürfen keine Personen auf den Aufnahmen zu erkennen sein. Dies gilt sowohl für Unfallbeteiligte als auch für Einsatzkräfte.

Gut zu wissen: Wenn Du ohne Zustimmung Unfallbilder postest, musst Du damit rechnen, dass die Unfallopfer (bzw. ihre Angehörigen) von ihrem Recht auf Löschung und Schadensersatz Gebrauch machen – und klagen. Wer verurteilt wird, muss mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren rechnen. Auch die bloße Weiterverbreitung von solchen Aufnahmen kann eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren nach sich ziehen. Hinzu kommen noch mögliche zivilrechtliche Konsequenzen.

So verhältst Du Dich richtig an einem Unfallort!

Wenn du als erster bzw. als erste an einem Unfallort eintriffst, halte an und nähere Dich der Unfallstelle. Rufe umgehend den Notruf und schildere das Ereignis. Es ist Deine Pflicht, Erste Hilfe zu leisten. Schau also, ob Du verletzten Personen helfen kannst und warte auf den Rettungsdienst.

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Tipp: Solltest du lediglich eine Unfallstelle mit stockendem Verkehr passieren, dann bilde eine Rettungsgasse. Wenn dann Einsatzkräfte vor Ort sind, folge deren Anweisungen.

So verhältst du Dich korrekt, wenn du als Erster am Unfallort bist:

  • Zuerst musst Du die Unfallstelle sichern.
  • Als nächstes musst Du umgehend die Notrufzentrale verständigen.
  • Besonders wichtig! Leiste Erste-Hilfe bei den Unfallopfern.

So verhältst Du Dich vorbildlich und respektvoll, wenn Helfer bereits vor Ort sind:

  • Halte bei stockendem Verkehr auf der Autobahn unbedingt eine Rettungsgasse frei.
  • Fahre zügig vorbei und bleibe auf keinen Fall stehen, drängle oder überhole nicht.
  • Behindere die Rettungskräfte nicht und Folge den Anweisungen.
  • Mache keine Fotos oder Videos vom Unfallgeschehen!
Tipp: Alles, was Du in Sachen Rettungsgasse bilden wissen musst – das verraten wir Dir in einem anderen Beitrag. Klick auf vorigen Link, um dorthin zu gelangen!

Gaffer erwischt? So verhältst Du Dich richtig!

Welche Probleme das Verhalten der Gaffer verursacht, haben wir bereits ausführlich geschildert. An dieser Stelle sind ein paar Tipps, wie Du Dich gegenüber Gaffern verhalten solltest:

  1. Stößt Du im Internet in den sozialen Medien auf unerlaubte Unfallaufnahmen, reagiere am besten ablehnend oder gar nicht.
  2. Falls Freunde oder Verwandte von Dir diese Posts teilen, dann weise sie darauf hin.
  3. Wenn du als Erst-Helfer an einem Unfallgeschehen vor Ort bist und es mit einem Gaffer zu tun hast, dann bitte ihn freundlich darum, das fotografieren zu unterlassen.

Das neue QR-Code Konzept gegen Gaffer!

Weil Schaulustige ein ernstes gesellschaftliches Problem darstellen, haben sich Rettungskräfte ein ausgeklügeltes Konzept ausgedacht. Letzteres soll den Gaffern ihr Fehlverhalten vor Augen führen.

  • Hierbei handelt es sich um ein QR-Code Konzept der Johanniter-Unfall-Hilfe in Kooperation mit der Kreativ-Agentur Scholz & Friends.
  • An Rettungsfahrzeugen und Ausrüstungen wird ein QR-Code-Muster angebracht.
  • Wenn beim Fotografieren oder Filmen mit einem Smartphone dieser QR-Code erkannt wird, erscheint der Warnhinweis „Stopp! Gaffen tötet!“.
  • So wird den respektlosen Gaffern ihr Fehlverhalten unmittelbar vor Augen geführt.

Dieses Konzept ist bereits im Test und soll sich über weitere Organisationen ausweiten.

Jeder von uns kann mit Gaffern konfrontiert werden. Wichtig ist aber, wie Du Dich verhältst! Hast Du bereits Erfahrungen mit Gaffern gehabt? Dann teile gerne Deine Erfahrungen mit der Community und lass einen Kommentar da.

Andy von ATP

BELIEBTE BEITRÄGE

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Aktuelle Kommentare

  1. Danke für diesen tollen Beitrag mit der sinnvollen Aussage: HELFEN UND NICHT GAFFEN!
    Da kann man wirklich nur mit den Kopf schütteln! In einer Notsituation lieber zu glotzen und Fotos zu machen und dabei auch noch Rettungskräfte behindern ist absolut das hinterletzte!
    Super wichtiges Thema und spannend und verständlich aufbereitet. Danke Sarah, für deinen tollen Beitrag! Da lese ich doch gerne weiter und freue michs chon auf die nächsten Posts.
    Grüße

    1. Hallo,
      danke für dein positives Feedback. Ich gebe dir vollkommen Recht, mit dem was du sagst. Man möchte selbst nicht in eine solche Situation kommen, aber wenn es mal passieren sollte, ist man auf die schnelle Hilfe anderer angewiesen. Unbedingt helfen, anstatt Gaffen!
      Danke für deinen tollen Kommentar! Lass uns gerne noch öfter deine Meinung da.
      Beste Grüße,
      Sarah von ATP